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Jahresreise 2024 des Partnerschaftskomitees Bad Honnef / Wittichenau führte nach Thüringen von Cornelia Nasner

Das Partnerschaftskomitee Bad Honnef / Wittichenau hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen der jährlichen Jahresreisen, die stets Richtung Osten führen, die neuen Bundesländer und unsere östlichen Nachbarstaaten zu erkunden.

So war in diesem Jahr Thüringen Ziel der Jahresreise. Unter bewährter Leitung von Christel und Peter Endler sowie des Ehepaars Gabriele und Helmut Scholz und von Christine Aldick erkundete die Bad Honnefer Gruppe von Gotha aus eine Region, die – trotz zahlreicher prächtiger Schlösser und reizvoller Landschaft – wenig bekannt, aber als Reiseziel durchaus lohnend ist.

Neben einer Besichtigung des Schlosses Friedenstein in Gotha, eine der größten frühbarocken Schlossanlagen, dem historischen Kleinod Schloss Ehrenstein in Ohrdruf und den Schlössern in Arnstadt und Rudolstadt standen u.a. eine Fahrt zum Großen Inselsberg (916 m), zur Burg Drei Gleichen sowie zum Oberschloss in Kranichfeld mit Blick in das Ilmtal auf dem Programm.

Eine besondere Überraschung war ein Treffen mit der in der Stadtverwaltung Wittichenau für die Partnerstädte zuständigen Mitarbeiterin Beate Hufnagel – in Bad Honnef bestens bekannt. Sie brachte die druckfrische Broschüre „Willkommen in Wittichenau – Witajce k nam do Kulowa“ für die Mitreisenden und die Stadtinformation in Bad Honnef mit.

Nach einer aktuellen Statistik kennen nur 17 % der Westdeutschen die neuen Bundesländer. Dank der Jahresreisen des Partnerschaftskomitees Bad Honnef / Wittichenau dürfte diese Zahl in Bad Honnef deutlich höher liegen.

Die Mitreisenden bedankten sich am Ende der Reise herzlich bei dem Organisationsteam. Das Ziel der nächsten Jahresreise steht schon fest: 2025 gilt es, Ostböhmen (Tschechien) zu erkunden. Die Reise ist bereits in Vorbereitung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Traditioneller Adventsfahrt zum Weihnachtsmarkt nach Trier

 

Endlich konnte die traditionelle Adventsfahrt wieder stattfinden. Inge Niepel, Vorstandsmitglied des Partnerschaftskomitees Bad Honnef Wittichenau,  hatte einen Ausflug zur ältesten Stadt Deutschlands nach Trier organisiert.

Erster Höhepunkt war der besonders schöne Weihnachtsmarkt auf dem Hauptmarkt und vor dem Trierer Dom. Trotz leichten Regens schmeckten Glühwein und gegrillte Würstchen aller Art.

Trier war einigen Mitreisende bekannt. Die angebotene „Togaführung“ ließ das Augusta Treverorun, die Regierungszeit Konstantins die Entstehung des Doms, der Basilika und der Kaiserthermen lebendig werden

Nachdenklich stimmte die Führung auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Trier: Seit der römischen Antike ist ein Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Trier belegt. Die Geschichte der Stadt ist eng mit der der jüdischen Gemeinde verknüpft.

Der Ausflug klang bei einem gemütlichen Abendessen im Restaurant „Wein im Turm“ in Longuich aus.

Trotz strömenden Regens war der Ausflug ein Erfolg.

Vom 25.04.24 – 30.04.24 geht es wieder gemeinsam nach Thüringen auf Reisen. (Jahresreise siehe https://wittichenau-bad-honnef.de)

 

Feierstunde Tag der deutschen Einheit mit dem Chor „Zosulky“

 

Honnefer ukrainischen Chors „Zozulky (Kukuk) präsentiert Lieder aus  ihrer Heimat im Kunstraum  zum Tag der deutschen Einheit.

Mit ihrem Auftritt gratulierte  und erinnerte der Chor zur gewonnene Freiheit während der Wende und hofft demnächst auch ein vergleichsweises Fest zu feiern.

Die Teilnehmer an der Veranstaltung waren begeistert von der ukrainischen Heimatlieder, die mit viel Emotion vorgetragen wurden und manchen Teilnehmer rührten.

Cornelia Nasner, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees bedankte sich beim Chor für den unvergesslichen Auftritt und überreichte eine E-Gitarre als Dankeschön.

 

Große Freude über die E-Gitarre, die Cornelia Nasner als Dankeschön überrreichte

 

Feierstunde zur deutschen Einheit 3. Oktober 11:00 Uhr und Lesung Lukas Rietzschel am 13.10.23 19:00 Uhr

Liebe Mitglieder des Partnerschaftskomitees Bad Honnef / Wittichenau,
auch in diesem Jahr lade ich Sie sehr herzlich ein zu unserer
Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit
3. Oktober 2023 (Dienstag), 11.00 Uhr
Kunstraum Bad Honnef (Rathausplatz 3)
In diesem Jahr werden wir den Tag musikalisch mit der ukrainischen Gruppe „Zozulky“
begehen. Die Gruppe hat sich in Bad Honnef zusammengefunden und präsentiert
Lieder aus ihrer Heimat.
Außerdem möchte ich Sie anlässlich des Tags der deutschen Einheit zu einer Lesung
einladen:
Lukas Rietzschel
13. Oktober 2023 (Freitag), 19.00 Uhr
Kunstraum Bad Honnef (Rathausplatz 3)
Der Görlitzer Schriftsteller Lukas Rietzschel hat bereits zwei Romane mit BestsellerStatus geschrieben, die sich mit den Befindlichkeiten in den neuen Bundesländern
nach der Wende beschäftigen: „Mit der Faust in die Welt schlagen“ und „Raumfahrer“.
Die ZEIT hat über ihn geschrieben: „Lukas Rietzschel gehört zu den wichtigsten
jungen Schriftstellern des Ostens.“
Wir bitten für beide Veranstaltungen um Anmeldungen unter cornelia.nasner@tonline.de oder 02224/73234.
Herzliche Grüße
Cornelia Nasner

Maibauwerfen in Wittichenau-Saalau von Alexandra Heil

 

In Saalau musste am Wochenende wieder der Maibaum dran glauben. Zuvor tanzten die festlich gekleideten jungen Mädchen und Burschen am Fuße des Maibaumes ihre sorbischen Tänze. Viele Dorfbewohner und Gäste schauten dabei zu und sangen kräftig mit. Mittlerweile kann meine Wenigkeit ja sogar hin und wieder etwas mit trällern.

Dann fiel der Baum und Konrad Kokel war am schnellsten bei der sorbischen Fahne und darf sich jetzt Maikönig nennen. Mit seiner auserwählten Maikönigin Anita Elstner wurde dann eine Runde um die Kapelle gedreht und in Richtung Kulturhaus gezogen. Dort fand dann die anschließende Feier statt.

Straße der Romanik erleben und entdecken

„ Straße der Romanik erleben und entdecken“ vom 9. bis 13. Mai 2023

Nach einer endlosen Winterzeit,
voller Kälte, Regen und Dunkelheit,
die „Wittichenauer Gruppe“ tritt eine Harzreise an,
darüber man erzählen kann.

Der Harz ist aus uraltem Faltengebirge entstanden,
endlose Wälder, die das Gebiet umranden;
etwa vor vier Millionen Jahren wurde erwähnt diese Region,
dieses entnahm ich dem Lexikon.
Unser Ziel war, die `Straße der Romanik„ zu entdecken,
unser Interesse an alter Kultur und Baukunst zu wecken.

Der Einstieg war das Städtchen Langenstein,
wir erleben die Wohnungen im Gestein.
1787 wurden die ersten Höhlenwohnungen errichtet,
wie der Führer uns berichtet;
schon damals wie heute war die Wohnungsnot groß,
doch waren die Menschen recht anspruchslos.

Werningerode, als die bunte Stadt bekannt,
sehenswert das Rathaus, farbig und markant.
Wir schlendern durch die mittelalterlichen Gassen,
das Auge kann es kaum erfassen.
Hoch auf dem Berge, da thront das Schloss,
die Aussicht von dort, einfach grandios.
Hier lebten lange Jahre , die Grafen zu Stollberg, wie zu erfahren.
In Wernigerode stieg auch Goethe ab auf seinen Reisen,
er liebte besonders die deftigen Speisen.

Das Städtchen Thale, es ist nicht groß,
da ist am 1. Mai der Teufel los.
Da treffen sich die Hexen mit Stöcken und Besen,
so wie es vor endlosen Jahren gewesen.
Wir erlebten „ Teufel Willi“ in seiner Montur,
wir lauschten seinen Hexengeschichten pur.
Sogar erhielten wir aus seinem Sack,
ein „Teufelsgesöff“, das es in sich hat.
Die Aussicht von oben, einmalig und imposant,
die Sicht erstreckt sich über das ganze Land.

Endlose Wälder entlang der Tour,
Robert fährt uns mit Bravour ,
nach Quedlinburg, eine Fachwerk- und Silberstadt,
die einzelnen Häuser, ein Unikat.
Friedrich Klopstock, ein Bürger dieser Stadt,
seine Schriften man fast vergessen hat.
994 konnten die Bürger der Stadt auf eigene Marktrechte pochen,
seitdem blüht der Handel ungebrochen.
Sie wurden Mitglied im Norddeutschen Bund
der Roland, als Denkmal, tat dies nach außen kund.
Viele Kirchen und Fachwerkhäuser – wunderschön
gab es in dieser besonderen Stadt zu sehen.

Blankenburg, im 17. Jahrhundert zum Herzogtum Braunschweig gekommen,
wir waren als Gäste im Park willkommen.
Dieser, im 19. Jahrhundert von Peter Linné angelegt,
wird von fleißigen Helfern noch heute gepflegt.
Erz und Silber fand man auch hier,
und das Fachwerk für die Stadt – eine besondere Zier..

Die Stiftskirche von Gernrode von ottonischer Architektur,
ein besonderes Kleinod der damaligen Kultur.
Das Heilige Grab ist im südlichen Seitenschiff zu sehen,
so kann man das Leiden Christi besser verstehen.
Aus der Kuppel schaut der Heilige Cyprianus mit würdigem Blick,
die Deckenbalken mit goldenen Ornamenten geschmückt.
Vom Dom nehmen wir als Erinnerung mit –
der Lobgesang war ein echter Hit.

Halberstadt  – immer ein geistliches Zentrum gewesen,
die Kirchenfürsten recht belesen.
804 wurde Halberstadt zum Bistum ernannt,
für die Touristen meistens unbekannt.
Faszinierende Kunstwerke zeugen von einer
bewegten Geschichte,
nach dem Vorbild französischer Gotik errichtet.
Der unschätzbare Domschatz, wir stehen staunend davor:
die Schnitzereien im barocken Dekor,
Bischofsgewänder zeigten sich in einer unermesslichen Pracht,
die Kostbarkeiten werden rund um die Uhr bewacht.
Die Stadt wurde im Kriege zu 80 % zerstört,
auch der Dom war an verschieden Stellen davon berührt.

Der letzte Tag, der fällt uns schwer,
wir hätten gern gehört und gesehen noch etwas mehr
von Kirchen, Klöstern und Hexengeschichten,
doch müssen wir nach dem Fahrplan uns richten.
In Goslar, die Kaiserpfalz, sie erstrahlt im Morgenlichte,
im Inneren wird erklärt die Zeitgeschichte.
Zwei wichtige Bauten nehmen wir mit
und folgen der Führerin auf Schritt und Tritt.
Sehenswert ist das Siemenshaus,
es fällt aus der übrigen Architektur heraus.
In der Marktkirche lauschen wir den Orgeltönen,
und lassen uns auf dem Marktplatz von der Sonne verwöhnen.

Zu Ende gehen nun die Harzer Tage
und damit meine Reportage.
Reich an Erinnerungen kehren wir alle zurück,
die Führungen waren exquisit.
Wir danken der Leitung auf diese Weise
für eine eindrucksvolle Reise.
Möge die „Wittichenauer Partnerschaft“ noch lange bestehen
und die Reisenden sich im nächsten Jahr wieder sehen.

Ursula Mauritz

 

 

Städtepartnerschaftsjubiläen mit Tanvald und Lubomierz von Alexandra Heil – Wittichenauer Wochenblatt

Und noch ein paar wichtige Jubiläen gab es am Wochenende zu feiern, 30 Jahre Städtepartnerschaft  zwischen Wittichenau und Tanvald (Tschechien) und das 15 jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Wittichenau und Lubomierz (Polen). Dazu fanden sich am Freitag Gäste aus unseren Partnerstädten im Saal „Zum alten Bahnhof“ ein. Ehrenbürger Werner Osterbrink aus Bad Honnef zählte ebenso zu den Gästen.

Matthias Kockert begrüßte zu Beginn der Festveranstaltung alle Gäste  und übergab zunächst dem Gastgeber, unserem Bürgermeister Markus Posch, das Wort.

Er freute sich, Gäste aus den Partnerstädten begrüßen zu dürfen und diese Feier mit dem deutlich verjüngten Städtepartnerschaftsverein zu begehen.

„Ziel der Städtepartnerschaft war und ist es gegenseitiges Vertrauen zu fördern, Gemeinsamkeiten zu schaffen, zu vertiefen und damit unseren Beitrag zu einem geeinten Europa zu leisten.“ Er betonte, wie wichtig es gerade in der jetzigen Zeit sei, solche Kontakte zu „pflegen und zu erhalten“.

Auch wenn die Verständigung aufgrund der unterschiedlichen Sprachen nicht immer einfach ist, so hat man doch schnell gelernt, dass dies gerade in einer geselligen Runde kein Hindernis mehr darstellt.

Auch Vladimir Vyhnálek, Bürgermeister von Tanvald bezeichnet diese Städtepartnerschaft als einen „Kleinen Beitrag zum geeinigten Europa“. Er ging darauf ein, dass es in den letzten 30 Jahren viele gemeinsame Treffen gegeben hat, auch unter Schülern, Feuerwehren, Bürgern usw.

Diese Beziehung lässt positiv in die Zukunft schauen und es muss allen gedankt werden, die sich bisher und auch weiterhin für die Städtepartnerschaft einsetzen.

Der Bürgermeister Marek Charabaszcz von Lubomierz, verdeutlichte ebenso, dass Partnerschaften zwischen einzelnen Städten und Gemeinden dazu beitragen, eine Gemeinschaft der europäischen Völker zu werden.

Es ist wichtig sich kennenzulernen, neugierig aufeinander zu sein und Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Und dies klappt besonders gut bei lockeren Treffen und Festen, welche bei dieser Partnerschaft bisher häufig stattfanden.

Marek Charabaszcz wünscht sich, dass dieser Erfahrungsaustausch weiterhin stattfindet und die Freundschaft somit vertieft wird.

Beide Bürgermeister trugen sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt ein.

Unser langjähriger Bürgermeister Udo Popella erinnerte zum Schluss nochmal an das Zustandekommen der Partnerschaft mit Lubomierz und daran, dass Günter Särchen ebenso einen großen Anteil daran hatte.

Nach dem Festprogramm wurden die Freundschaften untereinander beim gemeinsamen Essen, bei lockeren Gesprächen und guten Getränken noch vertieft.

Am Samstag und Sonntag gab es dann noch eine gemeinsame Tour in die Umgebung und verschiedene Zusammenkünfte. Diese gaben sicher die Möglichkeit, sich noch besser kennenzulernen und zukünftige Treffen zu planen.

Nicole Schott, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsverein erwähnte im Nachhinein noch „Da zum Städtepartnerschaftsjubiläum Vertreter aller Partnerstädte über das ganze Wochenende Wittichenau besuchten, unterstützte der Städtepartnerschaftsverein die Feuerwehrkammeraden bei ihrem Feuerwehrfest tatkräftig. Die „Feigen Ratten“ halfen zudem beim Ausschank zum Festakt am Freitag. Wir können uns freuen, dass der städtepartnerschaftliche Gedanke auch in anderen Vereinen/Gruppierungen der Stadt (immernoch) Anklang findet und gelebt wird.“

 

 

 

Sorbischen Brauchtum erleben – die „Vogelhochzeit“

Zum kulturellen Reichtum der in der Oberlausitz lebenden slawischen Minderheit der Sorben gehören neben der einzigartigen Sprache eine Reihe von Traditionen und Bräuchen.

Ein beliebter jahrhundertealter Brauch ist die „Vogelhochzeit“, sorbisch: Ptači kwas. Nach dem Brauch laden die Vögel am 25. Januar jeden Jahres die Menschen zum Dank für die Winterfütterung zu ihrem „Hochzeitsfest“ ein.

In der Wittichenauer KRABAT-Grundschule sowie in den 3 Kindergärten der Stadt verkleiden sich die Kinder an diesem Tag als Vögel. Getreu dem Kinderlied „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ ist die Amsel die Braut und der Bräutigam ist eine Drossel. In der überlieferten sorbischen Tradition ist die Braut eine Elster (sorbisch: Sroka) und der Bräutigam ein Rabe (sorbisch: Hawron). Diese Abweichung liegt sicher an der Ähnlichkeit der Vögel. Zur Hochzeitsgesellschaft gehören weiterhin z. B. noch der Sperber als Hochzeitswerber, der Auerhahn als Kaplan, Meise, Kuckuck, Seidenschwanz, Marabu, Storch…. und viele andere Vögel.

Eine Besonderheit in sorbischsprachigen Kindereinrichtungen ist der sorbisch-katholische Brautzug, bei dem die Mädchen symbolisch die traditionelle sorbische Hochzeitskleidung anlegen, die auch Hochzeitsgäste einer „echten“ sorbischen Hochzeit tragen. Kunstvoll handgestickte Schleifen, edle Stoffe, Seidenbänder und perlenverzierter Kopfschmuck schmücken Braut, die Brautjungfern (Druschki), die Paten (Swonka) und alle anderen weiblichen Gäste. Der Bräutigam ist mit einem schwarzen Gehrock mit einem kleinen Myrthensträußchen am Rockaufschlag, einem schwarzen Zylinder und einer weißen Fliege bekleidet.
Eine sorbische Hochzeit wäre ohne Hochzeitsbitter (sorbisch: Braška) nicht denkbar. Er bereitet gemeinsam mit dem jungen Paar und deren Eltern die Festlichkeit vor, lädt die Gäste persönlich ein und leitet den Verlauf der Hochzeit. Erkennbar ist er an seinem schwarzen Zylinder mit bestickter Schleife, einem weißen Tuch in der linken Brusttasche und dem mit Bändern verziertem Stock. Wie bei jeder Hochzeit wird auch hier den ganzen Tag über gefeiert, getanzt und natürlich gut gegessen.

Zum Brauch gehört es auch, am Vorabend des 25. Januar einen Teller auf  das Fensterbrett oder vor die Tür zu stellen, der am Morgen mit Teigvögeln, Vogelnestern, Baiservögeln oder andern extra für den Anlass von den Bäckern der Region hergestellten Köstlichkeiten gefüllt ist. Zur Tradition gehört auch, dass manch kleiner Nimmersatt, der wiederholt den Teller hinausstellt, zuletzt ein Stück Kohle bekommt.

 

Der Sieg der Narrenkappe von Klaus Köhn

Der Karneval, in Köln der Fastelovend, ist zwischen Wittichenau mit den Kappensitzungen und Bad Honnef mit den rheinischen Prunksitzungen eine verbindende Tradition. Beherrschen doch in beiden Städten die Narrenkappen in der „Fünften Jahreszeit“ weitgehend das gesellschaftliche Leben. Einen besonderen Anteil daran hat u. a. das rheinische „Kölle“, denn der Drang zum Feiern gehört sowohl für die Wittichenauer ebenso zum Leben wie für die Rheinländer. Schon in der Antike wurden ungefähr zur gleichen Zeit wie heute Feste gefeiert, bei denen sich die Menschen verkleideten und die herrschende Ordnung auf den Kopf gestellt wurde. So ist die „Mummerei“ historisch nachweisbar. Das niederdeutsche Wort „Fastelovend“ bedeutet nichts anderes als „der Abend vor der Fastenzeit“. Am „Fastelovend“ oder in der Mainzer „Fassenacht“ gab es Umzüge in den Straßen, und es wurde überall gefeiert und gesungen, vor allem gegessen und getrunken.

Öf­fent­li­che Mas­ke­ra­den wurden im Januar im Ja­nu­ar 1835 in Ko­blenz erlaubt. Danach folgten Düs­sel­dorf, Aa­chen, Trier, Bonn und die üb­ri­gen Städ­te und Dör­fer der Rhein­pro­vinz. Die Ver­tei­di­gung des rhei­ni­schen Kar­ne­vals war folg­lich mit dem Fort­be­stand des fran­zö­si­schen Jus­tiz­sys­tems und dem so­ge­nann­ten „Kampf um das Rhei­ni­sche Rech­t“ ver­bun­den.

Sich als Narr zu bekennen, war eine selbstbewusste Aussage der närrischen Elite. „Die Kappe sei das Ziel, wonach wir streben, sie ist der Wünschelhut, der uns versetzt, aus diesem wirren, trocknen Alltagsleben, in eine Zauberwelt, die stets ergötzt“, hieß es im „Echtesten Cölnischen Carnevalsalmanach auf das Jahr 1831.“ Kein Wunder, dass der Kappenbrauch nach dem Kölner Vorbild in anderen Orten Nachahmer fand. Ausgerechnet ein Preuße war es, der den Karneval um eine eigene Kappe bereicherte: Karl Heinrich Maximilian von Czettritz und Neuhauß (1773 – 1865), ein dem schlesischen Adel entstammender Generalmajor und Kommandeur der 15. Kavallerie-Brigade in Köln. Am 14. Januar 1827 soll das Ehrenmitglied des Kleinen Rates dem Festkomitee vorgeschlagen haben, während des Karnevals „ein kleines buntfarbiges Käppchen“ als gemeinsames Erkennungszeichen aufzusetzen – getreu dem Motto „Gleiche Brüder, gleiche Kappen“, einem schon damals seit Jahrhunderten bekannten Sprichwort.

Das Kappentragen fand daher viele Anhänger. In vielen Gemeinden wurden bunte Mützen zum neuen närrischen Standeszeichen, und zur Eintrittskarte in das närrische Leben. Ihren Trägern war der Besuch von Bällen, Sitzungen und Fastnachtspossen gestattet. Die von den Narren getragene Kappe sollte dazu dienen, „um diejenigen, die hier unberufen eindringen, erkennen und nach Verdienst abweisen zu können.“ Erste Musterkappen in den Kölner Narrenfarben wurden gefertigt, rot-weiß senkrecht gestreift und mit grünen und gelben Quasten versehen. Sie wurden am 21. Januar 1827 erstmals auf einer Generalversammlung getragen. Kein Wunder, dass man die rheinischen Narren von da an auch als „Käppler“ etikettierte. Oft wurden sie in Anzeigen angeboten, und von sogenannten Kopfschustern oder Kappenfabrikanten jährlich neu gefertigt. Im Gegensatz zum Hut saß die Narrenkappe immer fest auf dem Kopf. „Sind wir auch nicht unter einen Hut zu bringen, unter eine Kappe gehören wir alle“, hieß es deshalb im 19. Jahrhundert häufig. Die jähr­lich wech­seln­de Nar­ren­kap­pe brach­te die Mehr­di­men­sio­na­li­tät der kar­ne­va­lis­ti­schen Sym­bol­spra­che bei­spiels­wei­se da­durch zum Aus­druck, dass sie ent­we­der die Form ei­ner Ja­ko­bi­ner­müt­ze oder das Aus­se­hen ei­ner preu­ßi­schen Pi­ckel­hau­be an­nahm.

Ob Helau oder Alaaf: unter der Narrenkappe galt Redefreiheit. Der Bon­ner Geschichtspro­fes­sor Gottfried Kinkel (1815–1882) sprach es in ei­ner Büt­ten­re­de aus: „Rufts mit lau­tem Schall! Bür­ger sind wir all!“  „Die Narrenkappe“, schrieb eine Zeitung 1838, „macht alle Stände gleich, verdrängt alle Vorurtheile und Privilegien.“.

Den Nazis und den DDR-Oberen war eine solche Redefreiheit ein Dorn im Auge. Die Büttenredner mussten Vorsicht walten lassen. Karl Küpper, der als „Verdötschter“ (Verbeulter) in die kölsche Bütt stieg, hatte 1937 den Mut, den ausgestreckten rechten Arm zu heben – und dann nicht „Heil Hitler!“ zu rufen, wie es der ganze Saal erwartete, sondern festzustellen: „Nä, nä, su huh litt bei uns dä Dreck em Keller!“ (Nein, nein, so hoch liegt bei uns der Dreck im Keller.) Er erhielt lebenslanges Redeverbot.

 

 

Wittichenauer Adventsmarkt

Am letzten Samstag fand in Wittichenau wieder der Adventsmarkt statt. Passend dazu bedeckte am Morgen eine dünne Schneedecke die Stadt.

Das richtige Wetter, um Glühwein oder Kinderpunsch zu trinken bzw. verschiedene Leckereien an den einzelnen Ständen zu genießen und dabei dem Programm vor der Bühne zu lauschen.

Und es wurde voll auf dem Markt. Am Morgen noch etwas weniger besucht, da hätten sich sicherlich die Darsteller auf der Bühne, den ein oder anderen Zuschauer mehr gewünscht. Verdient hätten sie es auf jeden Fall. Auf der Bühne wurde ab 11 Uhr ein großartiges Programm geboten, ob Tanzdarbietungen, Gesang und Theaterstück, für jeden war etwas dabei. Bürgermeister Markus Posch und Weihnachtsfrau Marion Grellert begrüßten und eröffneten pünktlich den Adventsmarkt.

Am Nachmittag wurde es immer enger und die Schlangen vor den Bratwurstständen waren irgendwann sehr, sehr lang. Und wenn die Kinder hungrig sind, kann das ganz schön anstrengend werden. Am Ende gab es dann doch noch etwas und die Kinder waren wieder entspannt.

Zum Aufwärmen konnte man in die Jurte der Pfadfinder gehen und sich da bei Spielen und Gesang die Zeit vertreiben. An einzelnen Ständen und auch in den Geschäften gab es noch etwas für die Deko zu Hause oder man konnte Geschenke für Weihnachten kaufen.

Irgendwann kam nach langen und lauten Rufen auch der Weihnachtsmann mit dem Schneemobil „angerauscht“.

78 Kinder traten vor den Weihnachtsmann und trugen ein Gedicht oder ein Lied vor. Von den beiden Engelchen gab es dafür dann kleine Präsente überreicht.

Am Ende war es wieder spannend. Wer gewinnt die Bürgermeisterwette? 20 Vereine bzw. ein Stellvertreter aus dem Vorstand samt einem wichtigen Utensil galt es auf die Bühne zu bringen.

 

21 Vereine präsentieren sich letztendlich und somit hatte der Bürgermeister die Wette gewonnen. Trotzdem möchte er mithelfen einige Zwiebeln der Frühblüher in der Stadt mit unter die Erde zu bringen, denn schließlich hat er ja laut seiner Aussage einen grünen Daumen.

Nach mehreren Stunden auf dem Adventsmarkt würde es dann Zeit für meine Kinder und mich nach Hause zu gehen. Die Füße, Hände und Wangen waren dann doch etwas durchgefroren. Wer wollte, konnte dann aber den Abend noch gemütlich auf dem wunderschön erleuchteten Marktplatz ausklingen lassen.

A. Heil

Ehrung für Altbürgermeister in Sachsen von Udo Popella

 

 

Der Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer, ehrte am 14. 11.  im Rahmen einer Festveranstaltung im Paulinum der Universität Leipzig ca. 40 Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker der ersten Stunde, die sich in besonderer Weise langjährig für den Aufbau und die Entwicklung unseres Gemeinwesens engagiert haben.

In seiner Laudatio ging er auf die schwierigen Bedingungen ein, welchen sich nach dem Fall der Mauer zahlreiche Frauen und Männer in den neuen Bundesländern verantwortungsbewusst gestellt haben. Der Ministerpräsident betonte, dass man sich bei der Auswahl der betreffenden Geehrten sehr schwergetan habe, weil gewiss noch mehr Amtsinhaber a. D.  solch Dank und Anerkennung verdient hätten. Er würdigte vor allem auch den Mut, den in Anbetracht mangelnder Verwaltungsvorschriften so manch „Macher“ gezeigt hat, wenn es darum ging, Entscheidungen zu treffen, ohne die Rückendeckung übergeordneter Behörden zu haben.

Ich war sehr verwundert, als Einziger aus dem Landkreis Bautzen, diese Ehrung entgegen nehmen zu dürfen. Als Präsent wurde allen Geehrten eine extra für diesen Anlass in limitierter Anzahl hergestellte schöne Schale aus Meissener Porzellan, die eine diesem Anlass entsprechende Gravur schmückte, überreicht. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich bei all meinen ehemaligen Mitarbeitern zu bedanken, ohne deren Arbeit ich allein nichts hätte erreichen können. Ein Außenstehender kann kaum erahnen, was für eine Fülle bürokratischen Krames zu bewältigen ist, um eine Angelegenheit, mag sie auch harmlos erscheinen, zu bearbeiten. Ohne die gesamte damalige Rathausmannschaft, angefangen bei den Amtsleitern und meinen Sekretärinnen, bis zu den Reinigungskräften, den Kollegen des Bauhofes und der Kläranlage, würden nicht, wie die Presse einst berichtete, die glücklichsten Menschen unseres Landkreises in Wittichenau wohnen. Auch den Stadträten, besonders denen der ersten drei Legislaturperioden nach der Wende, ohne deren Mitwirken bei den zahllosen Beschlüssen gar nichts gegangen wäre, gilt Dank und Anerkennung.

Meine liebe Frau Angela hätte es verdient, an erster Stelle genannt zu werden.  Sie hat mir stets den Rücken freigehalten und mich ertragen, wenn ich wegen unseres weltrekordverdächtigen Bürokratismus öfter mal schlechte Laune hatte. DANKE mein Schatz.

Nicht zuletzt sollte auch hierbei an Altbürgermeister Peter Schowtka erinnert werden. Zum einen wäre ich ohne ihn niemals im Rathaus gelandet und zum anderen hat er mir stets bedingungslos Rückhalt gewährt, wenn ich in meiner Zeit als Bauamtsleiter des Öfteren Beschlüsse eingebracht habe, die letztlich zu einer hohen Verschuldung unserer Stadt geführt haben. Mein Motto war bis zu meiner Versetzung in den Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen zum „1.April“ 2014 (meine 3. Amtsperiode hätte erst im Februar 2016 durch Eintritt in das Rentenalter geendet): Wer keine Schulden hat, hat auch nichts geleistet. Ich habe lange gebraucht, Schowtkas plötzliche Amtsniederlegung zu verdauen.

 

Udo Popella

Bürgermeister a. D.

 

Aus dem Wittichenauer Wochenblatt – Osterreiten demnächst mit Frauenquote? Erwiderung auf den Beitrag von Klaus Köhn von Horst Dutschmann

Im Wochenblatt 7 vom 6. Mai 2022 hat Herr Köhn aus Bad Honnef von der tiefen Frömmigkeit des hiesigen Osterreitens berichtet. Ich war zunächst erfreut und beeindruckt welch hohes Ansehen unsere langjährige Tradition auch in anderen Bundesländern genießt. Beim weiteren Lesen seines Beitrages allerdings ist mir die Freude schnell vergangen. Ich möchte wetten, dass es neben mir sicher 98% aller Osterreiter ebenso ergangen ist. Wie Herr Köhn richtig schreibt, gibt es diesen Brauch seit 481 Jahren zwischen Wittichenau und Ralbitz, vorher aber schon seit Ende des 15. Jahrhundert zwischen Hoyerswerda und Wittichenau. Wo gibt es in unserem Land noch derartige lange christliche Traditionen? Mit Recht können wir darauf sehr stolz sein und wir müssen und werden alles daran setzen, dass es auch in Zukunft so bleibt. Zuerst habe ich nach dem Lesen gedacht das ist ein Witz oder ein dummer Jungenstreich. Da Sie aber geschichtlich dokumentiert im unteren Teil die herausragenden Fähigkeiten der Frauen vor 2000 Jahren und auch in der heutigen Zeit in Vordergrund stellen, scheint mit Ihr Vorschlag, dass Frauen mitreiten sollten, doch ernst gemeint zu sein. Mir ist bisher noch nie ein derartiger Wunsch von Wittichenauer Frauen zu Gehör gekommen. Man fragt sich da mit Recht, welche Verbesserung bringt es? Es wäre interessant zu erfahren, wie Ihre weiteren Vorstellungen über die Teilnahme von weiblichen Reiterinnen aussehen soll. Ich denke da an die Bekleidung oder an den zukünftig zu erwartenden erhebenden Gesang. Ist auch eine Quotenregelung vorgesehen? Wird ein weibliches Fahnenpaar eingeführt oder gibt es gar in naher Zukunft auf Grund des Machtstrebens eine weibliche Prozessionsleiterin? Niemand in Wittichenau hat in den vielen Jahrhunderten gewagt an der Art und Weise und Durchführung des Osterreitens zu rütteln. Sicher hat man das Osterreiten immer den Männern überlassen, weil es eine wirklich anstrengende körperliche Sache ist. Neben der körperlichen Belastung muss man auch stimmlich gut gerüstet sein, um die vielen Lieder und Gebete stimmgewaltig rüber zu bringen. Wer weiß unterwegs von den Umstehenden schon, dass außerhalb der Dörfer auf den kilometerlangen Wegen allein 4 Rosenkränze, die lauretanische Litanei, mehrere Anrufungen zur Gottesmutter und ehrfürchtig zur Kreuzverehrung gebetet wird? Ich glaube es gibt mittlerweile leider viele, die heutzutage nicht mehr wissen wie ein Rosenkranz überhaupt gebetet wird. Es ist nicht auszuschließen, dass gerade aus diesem Grund der Herrgott uns diese segensreiche Tradition für unsere Region solange erhalten hat. Sicher heutzutage hat jeder das Recht seine Meinung zu äußern. Deshalb habe ich lange überlegt, ob ich zu Ihrem Artikel Stellung beziehen soll. Ich bin kein Prozessionsleiter, aber unterdessen mit 59 Jahren Teilnahme der dienstälteste Reiter in der Wittichenauer Prozession. Herr Köhn Sie und der Partnerschaftsverein aus Bad Honnef haben uns nach der Wende dankenswerter Weise viele hilfreiche Tipps und Ratschläge gegeben um in der freien Marktwirtschaft bestehen zu können. Wir in Wittichenau haben in den vielen Jahrhunderten zumindest was das Osterreiten betrifft unsere eigenen Erfahrungen gemacht und sehen derzeit keinen Anlass irgendetwas daran zu ändern. Im Übrigen, falls sie es nicht wissen oder bemerkt haben sind unsere Frauen beim Osterreiten voll integriert. Damit wir auf den Pferden auch schick aussehen bereiten sie all unsere Bekleidungen vor, versehen die Kopfstücke des Pferdes kunstvoll mit Blumen, beköstigen aufopferungsvoll die Ralbitzer Reiter, nach Ostern wird die gesamte Bekleidung gereinigt und schrankfertig fürs nächste Jahr eingeräumt und nicht zuletzt sind sie den ganzen Tag in Gedanken bei uns und beten, damit wir wieder glücklich heimkehren. Wir sind froh und dankbar, dass wir sie haben, ohne sie würden wir manchmal alt aussehen. Deshalb sei ihnen an dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön gesagt. Herr Köhn Sie nehmen mir es sicher nicht übel, wenn ich Ihnen jetzt auch einen närrischen Vorschlag mache. Nehmen Sie bitte mal das hochgelobte Dreigestirn des Kölner Karnevals in Augenschein. Dort gibt es schon seit Urzeiten neben dem Prinz und dem Bauern noch eine Jungfrau, die leider seit Generationen von einem Mann dargestellt wird. Wie wäre es, da mal die Frauenquote anzustreben und nach einem echten jungfräulichen Objekt Ausschau zu halten?

Horst Dutschmann

 

 

Wo Sorbisch im Alltag und an den Feiertagen zu hören ist von Andreas Kirschke

Sorbischer Trachtenumzug

Wittichenau / Kulow.) In Blau-Rot-Weiß sticht das Lindenblatt hervor. Die sorbischen Farben sind unverkennbar. „Sorbisch live. Tule Serbšći-nu dožiwiće“ (Hier erleben Sie Sorbisch)“ steht auf der Metall-Stele am Kolpingplatz in Wittichenau. Sie verweist auf sorbische Gottesdienste in der katholischen Pfarrkirche, auf das Programm der Vogelhochzeit des Sorbischen Nationalensembles in der Sporthalle, auf die Fronleichnams-prozession mit sorbischen Trachten durch die Stadt Wittichenau, auf die Osterprozession zu Pferd durch Wittichenau und die Ortsteile sowie auf das Maibaumwerfen mit sorbischen Trachten in Spohla und in Saalau. „Die Tafel soll Neugier, Stolz und Identität wecken. Damit reagieren wir auf Nachfragen von Besuchern. Vor allem Radwanderer und Touristen erkundigen sich immer wieder, wo denn in Wittichenau Sorbisch gelebt, gewahrt und gepflegt wird“, unterstreicht Initiator Stephen Rachel, seit 1995 Bauamtsleiter und seit 1998 Sorbenbeauftragter der Stadt Wittichenau. „Einheimische Sorben indes sollen sich durch die Tafel ermutigt fühlen, sich stärker zu ihrer Muttersprache zu bekennen und sie offensiver anzuwenden.“

Rund 4.000 Euro kostete die Stele. Die Stadt Wittichenau finanzierte sie durch Mittel aus dem Sorbischen Kommunalprogramm. Dieses wird getragen durch das Sächsische Innenministerium. Ein Qu-R-Code auf der Stele verweist auf weitere Termine und Orte. Zu finden sind diese zumeist auf der Stadt-Internetseite www.wittichenau.de. „Wir haben jetzt begonnen, einige Bereiche unserer Stadtseite ins Sorbische zu überset-zen“, sagt Stephen Rachel. „Schritt für Schritt soll die komplette Seite auch in Sorbisch zu lesen sein. Mittel aus dem Kommunalprogramm finanzieren die Übersetzung und die technische Realisierung.“

Auch auf weiteren Gebieten konnte die Stadt bereits Mittel aus dem Sorbischen Kommunalprogramm gezielt einsetzen. Für die CSB-Kinder-tagesstätten in Wittichenau und Sollschwitz sowie für den katholischen Kindergarten Jakubetzstift Wittichenau beschaffte die Stadt sorbisches Lehr- und Lernmaterial. Für die CSB-Kitas Wittichenau und Sollschwitz besorgte die Kommune Trachten. Sie vervollständigen den jeweiligen sorbischen Hochzeitszug. Für die Krabat-Grundschule in Wittichenau und die Korla-Awgust-Kocor-Oberschule in Wittichenau konnte die Stadt dank Mitteln des Sorbischen Kommunalprogramms Lehr- und Unter-richtsmaterialien kaufen. Ebenso flossen Mittel gezielt in die Beschaffung zweisprachiger Hinweisschilder für das Wegeleitsystem in der Stadt. Künftig sind darin Ziele wie Sportplatz, Turnhalle und Rathaus in Deutsch-Sorbisch zu lesen. „Eine der ersten Maßnahmen mit Mitteln des Kommunalprogramms war die zweisprachige Beschriftung wichtiger Gebäude in der Stadt wie Rathaus, Kindergärten, Grundschule und Oberschule“, erinnert sich Stephen Rachel. Die jetzige Maßnahme für die Stele ´Sorbisch live. Hier erleben Sie Sorbisch´ knüpft an all die genannten Maßnahmen an.

Schritt für Schritt will der Sorbenbeauftragte jetzt in der Stadt prägende Läden wie Bäckerei und Apotheke sowie Handwerker, Gewerbetreiben-de und Freiberufler einbinden. Die Läden, so die Idee, könnten sich künftig mit einem kleinen sorbischen Lindenblatt zu erkennen geben: gerade dort wird Sorbisch im Alltag gesprochen, gerade dort gibt es sorbische Muttersprachler als Mitarbeiter. „Intern überlegen wir im Rathaus derzeit, ob wir künftig für Wittichenau an den Ortseingängen zweisprachige Stadt-Begrüßungs-Tafeln aufstellen. So ähnlich wie in Hoyerswerda. Auch damit würden wir die Sprache vor Ort aufwerten“, erläutert der Sorbenbeauftragte.

Fortsetzen will die Stadt die Übersetzung ihrer Internet-Seite ins Sorbische. Dabei arbeitet sie seit Jahren gut mit Übersetzerin Božena Braumannowa zusammen. „Wir hoffen auch auf mehr Sorbisch-Schüler in der Oberschule“, sagt Stephen Rachel. „Das Kollegium um Schulleiterin Ines Lesche bemüht sich sehr um gute Sprachvermittlung. Es muss uns gelingen, mehr Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder in der Oberschule von Klasse 5 an bis zur Klasse 10 durchgängig Sorbisch erlernen können. Wir als Stadt können nur die Rahmenbedingungen schaffen. Zudem braucht es Zugpferde zur Sorbisch-Vermittlung. Zu ihnen gehören außer den engagierten Erzieherinnen der Witaj-Gruppen in den Kitas vor allem die katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau mit dem sorbischen Pfarrer Gabriš Nawka, der katholische sorbische Verein „Bratrowstwo“ (Brüderlichkeit) mit Chor und Theatergruppe sowie die Grundschule „Krabat“ und Oberschule „Korla Awgust Kocor“ mit engagierten Schülern und Lehrern vor Ort.

Aus dem „Wittichenauer Wochenblatt“ Herausgeber Alexandra Heil

 

Fotos: Kirschke
Neugier, Stolz, Identität soll die Stele am Kolpingplatz in Wittichenau wecken. Sie richtet sich sowohl an Einheimische als auch an Besucher der Stadt wie Radwanderer und Tagestouristen. Bauamtsleiter Stephen Rachel ist seit 1998 Sorbenbeauftragter in der Stadt. Von ihm kam die Idee für die Stele.

Es lebe die Tradition! von Klaus Köhn – Ein Diskussionsbeitrag von Klaus Köhn

Klaus Köhn 

 

481 Jahre Osterreiten – wahrlich ein erhaltens- und ehrwürdiger Brauch. 1991 und 1992 haben meine Frau und ich zum ersten Mal mit unseren neuen Wittichenauer Freunden Ostern in großer Ergriffenheit erleben dürfen. Wir waren von der tiefen Volksfrömmigkeit tief beeindruckt und erlebten einen sehr aufgeregten und nervösen Gastgeber in seinen umfangreichen Vorbereitungen auf das Osterreiten. Wenn wir dann nach 30 Jahren wieder die Bilder im Wittichenauer Wochenblatt wie Jahr für Jahr betrachten, können wir uns kaum der Gefühle erwehren, die uns selbst noch heute immer wieder ergreifen. Es hat sich nichts verändert – nicht nach 30 und nicht nach 481 Jahre! Auf den ersten Blick großartige Bilder! 2022 fünf Seiten und mehr! Doch fehlt beim genaueren Hinsehen etwas­: Reiterinnen. Wir erinnern uns, dass es vor 30 Jahren noch hieß: Diese Reitprozession sei für die Frauen körperlich zu anstrengend. Näher nachgedacht habe ich damals über dieses Argument nicht. Zu überwältigend und nachhaltig waren unsere ersten Eindrücke. Doch zwischenzeitlich erlebten wir viele sozialen Veränderungen. Unser Frauenbild hat sich mehr und mehr verändert. Feuerwehrfrauen und Soldatinnen – früher ein Unding – sind heute selbstverständlich. In vielen traditionsreichen Schützenvereinen, die nur den Männern vorbehalten waren, werden Frauen zu gleichberechtigten Mitgliedern. Mit der städtischen Schützenordnung von 1710 taucht das Amt des Bruchmeisters bei den Schützen in der Stadt Hannover auf, Teil der regionalen Identität und ein traditionelles männliches Ehrenamt. 2022 wird das Bruchmeisteramt für Frauen und Männer geöffnet, und das Amt setzt ein wichtiges Zeichen für eine gelebte und bewegliche Schützentradition. „Wir wollen die Attraktivität des Schützenwesens und auch des Schützenfestes stärken; Traditionen sollten sowohl bewahrt werden, aber auch zukunftsfähig gestaltet werden“.

Beim Schaffermahl in Bremen, dem ältesten, sich alljährlich wiederholenden Brudermahl der Welt sind Frauen auch erst seit 2015 regulär als Gäste zugelassen. Sind die Damen jetzt trinkfester?

Unter den Osterreitern sehe ich in jedem Jahr den Sohn unserer Wittichenauer Freunde. Doch seine ältere Schwester, mit ihrer Tochter erfolgreiche Springreiterin in Wittichenau, mit großen Vorbildern im internationalen Reitsport, striegelt im Stall die Pferde für ausschließlich männliche Osterreiter. Unter ihnen soll es auch solche geben, die gar nicht reiten können.

 

Welche Gründe sprechen nun gegen eine Teilnahme von Osterreiterinnen? Sicherlich keine Theologischen. Nicht nur nach dem Matthäusevangelium (Kapitel 28) waren es Maria Magdalena und Maria, die kamen, um nach dem Grabe zu sehen … Und der Engel sagte zu den Frauen: „Fürchtet Euch nicht! Ich weiß, dass Ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden. Geht nun hin zu den Jüngern und sagt ihnen, dass er von den Toten auferstanden ist.“ Die Frauen waren es, die den Auftrag bekamen, die Osterbotschaft zu verkündigen. Und sie waren die Ersten, denen der Auferstandene erschien und den Auftrag wiederholte. Matthäus hatte davon Kenntnis, die auch der Erzählung im Evangelium nach Johannes 20, 11 – 18 ursprünglich zugrunde liegt. Matthäus lässt die dritte der von Markus genannten Frauen Salome (vgl. Markus 16, 1 ff.) unerwähnt. Auch Lukas (Kapitel 24) bestätigt diese Ereignisse. Und ausgerechnet die Frauen sollen von der Verkündigung der Osterbotschaft auf dem Rücken der Pferde ausgenommen werden.

Wir haben heute nicht mehr die fast ausschließlich patriarchalische Gesellschaft wie vor 500 Jahren. Die Osterbotschaft und ihre Verkündigung sind der Kern des Brauchtums, aber bitte nicht im Widerspruch zu den Evangelien. Die Frauen sollten daher mitreiten können, wenn sie es wollen, vielleicht für die Männer, die nicht reiten können, wenigsten für drei Jahre, denn was sich in Köln schon drei Jahre wiederholt, ist Tradition, und altes Brauchtum ist wieder geheilt und auferstanden.

 

Herzlicher Empfang in Wittichenau zur Stadtführung

Frau Dr. Nicole Schott, Vorsitzende des Partnerschaftsverein Wittichenau  und Tom Klinkert begrüßten am Ostersonntag 2022 die Reisegruppe aus Bad Honnef und überbrachten die Grüße des Wittichenauer  Bürgermeisters Markus Posch.

Sie bedankten sich bei Peter Endler für die Leitung der Jahresreisen zum Abschluss als ehrenamtlichen Reisebegleiter in den letzten 10 Jahren überreichten ein Foto vom Markt in Wittichenau.

Anschließend führten sie die Gruppe durch ihre Stadt und begannen mit dem Partnerschaftsdenkmal. Der Weg führte durch die Altstadt, zum Stadtteich und letztlich zu der gerade restaurierten Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. An einem Pfeiler des Kirchenschiffes erinnert eine Gedenktafel an Johann Schadowitz, das historische Vorbild der sorbischen Sagengestalt des Zauberers Krabat, der 1704 hier bestattet wurde.

Rechtzeitig zur Rückkehr der Kreuzreiter mit anschließender Andacht endete die Stadtführung wieder auf dem Marktplatz.

 

Jahresreise 2022 zum Osterreiten nach Wittichenau und Prag

 

 

Die Mitreisenden der Jahresreise 2022 vor der Villa Troja in Prag 

 

Das höchste kirchliche Fest in der katholischen Oberlausitz ist Ostern. Die Botschaft der Auferstehung Christi wird in den sorbischen Regionen mit einer Reiterprozession, dem Osterreiten, gefeiert, in dem die Osterbotschaft weitergegeben wird. Die Teilnehmer der Jahresreise des Partnerschaftskomitees Bad Honnef-Wittichenau nahmen als Besucher am diesjährigen Osterreiten und an der Abschlussandacht teil.  Das auf dem Prozessionsweg gesungene „Halleluja“, die gesprochenen Gebete auf dem 12 km langen Weg nach Ralbitz haben die Honnefer tief beeindruckt.
Nächste Station war die Fahrt mit einer Kleinbahn in das Lausitzer Seenland, der größten künstlichen Seelandschaft in Europa. Vor 10 Jahren erlebten einige Mitreisende die damalige Baustelle und konnten die Fortschritte der Realisierung der Freizeitangebote mit vielen Besuchern bestaunen.

Die neue Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Wittichenau Dr. Nicole Schott, ehemalige Auszubildende der Stadtsparkasse Bad Honnef und ihr Vorstandskollege Herr Kockert übernahmen persönlich die Führung durch Wittichenau.

Weiterer Höhepunkt war der dreitägige Besuch in der goldenen Stadt Prag. Schon zum dritten Mal führte Dr. Iva Banska auf Jahresreisen in Tschechien die Gruppe, diesmal durch ihre Heimatstadt. Jugendstilgebäude, barocke Kirchen prägten den Führungsweg. Auch Teilnehmer, die Prag bereits kannten, haben viele neues erleben können.

Auf dem Heimweg verabschiedeten sich nach 10 Jahren, der bisherige Leiter der Jahresreise des Partnerschaftskomitees, Peter Endler und seine Frau Christel, in dieser Funktion. Die Gruppe begrüßte mit Beifall seine Nachfolgerin Brigitte Kirwald, die bereits im August, beim Nachleseabend die Jahresreises 2023 vorstellen wird.

Bedeutung des Osterreitens für eine Wittichenauer Familie in unserer Patenstadt von Christine Winter

 

von Christine Winter

OSTERN – welch bedeutender und wichtiger „Termin“ in unserer „Jahresplanung“ – jedes Jahr! Und nicht nur weltweit, sondern speziell auch für unsere Gegend, für unseren Wohnort und – für unsere Familie, im großen wie im kleinen.

Wir sind „alte Wittichenauer“, wohnen schon immer und sind glücklich hier. Und somit sind wir mit den verschiedenen Traditionen der Osterzeit einfach vertraut, wenngleich sich in manchen Jahren eintretende Veränderungen, die nicht absehbar sind, aber vollziehen.

Seit 481 Jahren verkünden die Kreuzreiter ohne Pause die Auferstehung des Herrn, aber 2019 hat Corona nicht nur die Osterzeit „stillgelegt“…!

Ostern – Der Ostersonntag ist für alle der Höhepunkt und bedeutet nicht nur das Ende der Fastenzeit, welche `pünktlich` an Faschingsdienstagnacht beginnt und möglichst mit einem oder mehreren persönlichen `Opfern` verbunden ist; Verzicht auf negative Gewohnheiten, Gewichtsreduzierung, uvm. Musik und Tanz sind außen vor!

Die Fastenzeit ist eine ruhige Zeit. Nach außen ruhig, aber der Countdown läuft…

Gehrock, Zylinder, weiße Handschuh, Stiefel, Schwanzschleife für das Pferd, Gesangbuch,   im Ort Ralbitz: Anmelden von Unterkunft und Futterverpflegung für das Pferd sowie Anmeldung zur Verköstigung des Reiters, oftmalige Absprachen und „Besprechungen“ der Reiter im Stall – an alles muss gedacht werden, alles muss vorbereitet werden, alles ist wichtig. Unsere Männer entwickeln eine ganz besondere Betriebsamkeit.

Schon die Besorgung der Pferde für den Kreuzreiterritt ist ein Kapital für sich: zeitintensiv, ideenreich, das Motto: eine Hand wäscht die andere – steht. Der große Zusammenhalt in unserer Gegend ist besonders spürbar.

 

Mein Mann Joachim war  2017 zum 50. Mal Kreuzreiter. Unsere gute Freundschaft mit Benno Schlegel, dem Besitzer des Reiterhofes in Wittichenau, erleichterte das Besorgen eines guten Pferdes und beide ritten viele Jahre gemeinsam, oft in der Kreuzträgergruppe.

Aber ist kam auch garnicht so selten vor, dass bei „Not am Mann“ die für Achim und Benno vorgesehenen Pferde an Reiter abgegeben wurden, welche Pech mit ihren Pferden hatten; dann war es doch fraglich, wie unsere Männer mit den „Ersatzpferden“ wieder nach Hause kamen….  Es ging letztendlich immer gut, beide sind eben erfahrene Pferdeliebhaber.

 

Die Pferde werden für den Kreuzreiterritt z.T. von weit her ausgeliehen, besonders geputzt, gestriegelt, die Mähne erhält oftmals einfallsreiche Ornamente eingeflochten, das Geschirr duftet nach frischem Leder bzw. sind herrliche Muschelgeschirre umgelegt.

In unserer Familie wurde stets am Karfreitag das familieneigene Pferdegeschirr in der Küche geputzt.

Der Anspruch für „unsere Pferde“ war stets ein gebundenes Blumenband aus frischen Blumen, welches am Reitgeschirr befestigt wird. Oh, sie leuchteten und es kam auch vor, dass es zeitig gefressen wurde… Rückblickend war es zu DDR-Zeiten sogar schwierig und einfallsreich, zu dieser Zeit überhaupt Blumen und Asparagus unter dem Ladentisch zu bekommen. Und da war es wieder: eine Hand…! Oftmals habe ich Blumenbänder für mehrere Pferde gebunden, sie waren einfach zu schön.

 

Wenn man von den 1000 Kleinigkeiten vor und zu Ostern absieht, die sich in Küchen, Ställen, Höfen, Familien abspielen, ist die Osterzeit auch ein Treffen vieler Familien mit ihren Angehörigen bzw. Freunden und Bekannten. Vor allem am Ostersamstag sieht man überall die Spaziergänger und es herrscht allgemein eine lockere Stimmung. Viele Besucher nehmen bereits am Abend des Karfreitags an der Prozession durch die Stadt teil, es sind jedes Jahr viele Hundert Prozessionsteilnehmer.

 

Nur die Tradition des Färbens der Ostereier hat sich in unserer Familie geändert!                 Vor ca. 40 Jahren noch, stets nach der Karfreitags-Prozession trafen wir uns bei guten Freunden und färbten bis spät in die Nacht die Ostereier, weil die Kinder sie als Überraschung am Ostersonntag erst im Nest sehen sollten…

Heute färben wir sie in allen Farben und Mustern am Samstag – mit den Kindern und Enkeln.

 

Auch wenn die „aktive Zeit des Osterreitens“ in unserer Familie vorbei ist, AKTIV bleibt die Osterzeit allemal. Oft ist es möglich und dann verbringen wir das Osterwochenende gemeinsam – eine große Freude, wenn die 10köpfige Familie am Tisch sitzen und die Traditionen weiterhin erleben und vielleicht fortführen kann.

 

Stille, Grabesruhe, Hufe-Trappeln, Gesang der Kinder und Jugendlichen, wenn sie von den Dörfern kommend, bei uns vorbei ziehen, Pferdetransporte, Kirchenfahnen, Häuserschmuck, Spaziergänger, wichtige Gespräche: wie wird das Wetter, überall Kinder und Kinderwagen, endlich wieder Glocken-läuten… Leben in der Osterzeit.

Ostern in Wittichenau – man muss es einfach live erleben:

Zur Gänsehaut-Stimmung mischt sich manche Freudenträne, wenn die Kreuzreiter am Ostermorgen in der Wittichenauer Kirche um 5.00 Uhr das „Triumpf, der Tod ist überwunden“ anstimmen.

 

Und überhaupt- Wittichenau ist das ganze Jahr ein Besuch wert – nicht nur zu den vielen traditionellen Ereignissen und Erlebnissen –die Türen sind immer offen, kommen Sie herein

HERZLICH WILLKOMMEN-

 

 

 

 

Karneval mal (wieder) anders oder So viel Heimlichkeit in der Faschingszeit von Alexandra Heil – Wittichenauer Wochenblatt

 

 

Da uns das traditionelle Fasching feiern auch dieses Jahr wieder nicht möglich war, musste man das Beste draus machen und andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Zur Einstimmung auf die tollen Tage und aufgrund des Kappenabendausfalls plante meine Schwester eine Kostümgeburtstagsfeier. Anschusseln, feiern, Spaß haben und zusammen sein. Die Party wurde bis aufs kleinste Detail vorbereitet. Doch der derzeitige allgemeine Spielverderber war wieder mal pünktlich zur Stelle. Unsere verehrte Gastgeberin wurde den Abend vor der Feier positiv auf Corona getestet. Da meine Schwester schon große Menüs gezaubert hatte und kistenweise Getränke herbei geschafft hatte, musste eine Notlösung her. Das Geburtstagskind begab sich ohne Widerworte in Quarantäne, also in die obere Etage des Hauses und die geladenen Gäste (zumindest ein kleiner Teil davon) trafen sich in der unteren Etage und machten sich über die Köstlichkeiten her. Die Kinder waren glücklich wieder Kostüme anzuziehen und die Erwachsenen fühlten sich maskiert auch immer noch pudelwohl. Das Schminken flutschte immer noch und haben wir nicht verlernt, die Perücke kann man auch noch tragen und das gemeinsame Trinken und Spaß haben funktioniert ebenso. Probekarnevalsabend erfolgreich überstanden! Den darauffolgenden Freitag fieberten wir nun mit Spannung entgegen. Der OnlineKarneval war angesagt. Aufgrund eines MagenDarm Infektes in der Familie musste ich mich alleine auf dem Weg zur Vorführung bei meinen Eltern machen. Die Anwesenden an diesem Abend freuten sich darauf und waren natürlich auch alle kostümiert. Noch schnell etwas essen, eine kleine Polonaise zur Einstimmung und zum Spaß für die Kinder und wir erwarteten den Beginn der Show. Die Übertragung schien zunächst erstmal zu klappen. Wir sahen und hörten etwas. Doch schnell bemerkten wir, dass etwas nicht rundlief. Alle paar Sekunden stockte der Livestream. Zunächst hofften wir darauf, dass es nur am Anfang Probleme gibt, aber es wurde nicht besser. Schnell bemerkten wir, dass wohl alle Probleme bei der Übertragung hatten. Wie schade! Enttäuschte Gesichter. Aber wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen. Vorallem die Kinder machen es uns vor und ich wollte ehrlich gesagt noch nicht aufgeben. Nach hektischem Hin und Her telefonieren, schreiben und lesen von Nachrichten per Facebook und WhatsApp, Versuch eines Downloads der Show usw. kam der erlösende Link zum Anschauen. Endlich konnte der Onlineabend starten. Und wir hatten Spaß! Von Gesang, über Büttenreden, Tanz, Schunkeleien, Witzen, interessanten Interviews und einen Einblick hinter die Kulissen uvm. war alles vertreten. So konnte der Fasching gern weitergehen, aber heute muss ich erstmal nach Hause.

Auf dem Nachhauseweg trällerte eine Männertruppe von Siedlung kommend bis fast nach Hause begleitend noch Kling Klang, du und ich…, Mein Schlesierland… Kurz vor der Haustür begegnete ich noch einen Kappenbruder, der mir einen letzten Helaugruss für diese Nacht zurief. Samstag sollte man dann, so hörte man von einigen munkeln, so gegen 15 Uhr auf dem Markt sein. Irgendetwas sollte da stattfinden. Also machten wir uns fertig. Die Kinder riefen:“ Endlich wieder Kostüm anziehen!“ Angekommen auf dem Marktplatz, war ich dann doch sehr erstaunt. Er war gut gefüllt. Vor der Marktpassage standen die Frauen des Weiberfaschingsvereins und läuteten den Weiberfasching ein. Es wurde gesungen, geschunkelt und gelacht. Von dem was erzählt wurde habe ich nicht allzu viel verstanden, aber egal die Stimmung war trotzdem gut. Und wie ich gehört habe, wurde sogar eine neue Prinzessin gekürt, Prinzessin Christin von SchnipSchnaps aus dem Hause HaarMoni. Plötzlich hieß es, es gibt auch einen Umzug. Von der Kamenzer Straße aus Richtung Marktplatz war die riesige Fahne der Roten Funken zu sehen und hintendran Frauengruppen, aber auch vereinzelte Männer. Es reihten sich nach und nach immer mehr ein und es wurde gleich noch eine Runde gedreht. Anschließend verweilte man noch ein wenig auf dem Marktplatz bis es zu kalt wurde. Vom Kaffeekränzchen bei den Eltern ging es dann gegen 18 Uhr, aber ohne Kinder, wieder los. Und man war erstaunt, wie viele Garagen, Partyräume und überdachte Terrassen als Bar herhalten konnten. Da legte der Sohn eines bekannten DJs der Stadt auf und trieb die Stimmung zum Höhepunkt. Nach etwas längerem Aufenthalt und in gemütlicher Runde, ging es weiter Richtung Schützenplatz und danach Sperlingslust. Da bemerkte man aber schon, dass die ersten in der Runde langsam abbauten, trotzdem gegen 22 Uhr auf zur Siedlung. Bei leckerem Essen und mehreren Runden Wasser verabschiedeten sich die ersten und auch wir entschlossen dann 24 Uhr ins Bett zu marschieren. Doch noch schnell ein kurzen Abstecher zum Hornigsweg. Naja und aus 10 Minuten wurden dann doch etwas mehr. Das Wittichenauer schmeckte immer noch und gute Laune, laute Musik, Schunkelei und Tanz luden einfach zum längeren Verweilen ein. Aber um 2 Uhr lag ich dann doch endlich im Bett. Gute Nacht Wittichenau, es war ein schöner Tag! Endlich wieder so viele farbenprächtige und fröhliche Menschen zu sehen tat der Seele gut. Und so ging es allen die wir getroffen haben. Und schön war es auch endlich Samstag irgendwo ohne Probleme reinzukommen und Platz zum Tanzen zu haben und die meisten Gesichter auch zu kennen. Leider war Sonntag die Nacht um 7 Uhr schon wieder zu Ende. Ausschlafen, so wie früher geht auch nicht mehr. Und so schleppte ich mich Sonntag etwas lädiert über den Tag. Nach dem Mittag kostümiert eine Runde bei strahlendem Sonnenschein durch die Stadt gedreht und dabei einem kleinem Fahrradcorso begegnet. Da die Kinder nächsten Tag zur Schule und in den Kindergarten müssen und mich mal wieder meine Migräne plagt bleiben wir heute Abend daheim. Schließlich muss ich ja Montag auch wieder fit für ein paar Fototermine sein. Morgens die Kinder kostümiert und angemalt, noch schnell ein paar Luftballons ans Haus, die Fahne gerichtet und erst mal schnell ins Büro. Dann ging es in die Kita St. Marien zum Fototermin. Der Karnevalsverein samt Band „Blech gehabt“ wurde erwartet. Meine Tochter erblickte mich sofort und wusste nicht, ob sie sich freuen oder weinen sollte. Am Ende freute sie sich über einen Tanz mit der Mama und Onkel Uwe. Am Nachmittag trafen wir uns mit der Familie auf dem Marktplatz. Der Rosenmontagsumzug war ja eigentlich abgesagt und trotzdem war die Innenstadt gefüllt mit bunt kostümierten Menschen. Es wurde natürlich vorab gemunkelt, dass auch heute ein paar Wagen durch die Stadt kommen sollten. So war es dann auch. Einzelne Clubs und Gruppen der Stadt, Kotten, Sollschwitz, Dörgenhausen, Keula ließen es sich nicht nehmen durch die Straßen zu ziehen. Auch Koblenz war mit dabei, durften aber aufgrund des motorisierten Zuggefährtes nicht durch die Stadt. Im Anschluss blieben wir bei schönsten Sonnenschein noch etwas auf dem Markt, bis es kein sonniges Plätzchen mehr gab und wärmten uns in einer Bar bei leckerem Kuchen, Sekt, Bier und Schnäpschen auf. Mit den Kindern ließen wir den Tag ausklingen. Ein Besuch im Schützenhaus powerte die Kleinen so richtig aus. Viel Platz zum Toben und Fange spielen. Völlig durchgeschwitzt marschierten wir nach Hause und die Kinder schliefen zufrieden ein. Mein Mann der noch ne Runde drehen wollte kam gegen 21 Uhr etwas enttäuscht nach Hause, da wohl alles schon dicht war. Aber eigentlich war er das selber auch schon. Für mich war die Feierei erstmal zu Ende. Ich musste mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Dienstag noch einen kleinen Abstecher zum Seniorenfasching in der alten Schule. Hier wurde ich freundlich empfangen und gleich zum frühstücken eingeladen. Danach waren die Faschingstage 2022 endgültig für mich vorbei und es waren ein paar tolle Tage! Auch wenn viele Menschen zu Karneval unterwegs waren, haben die

Meisten auch an jene Menschen gedacht, welche momentan in der Ukraine um ihr Leben fürchten müssen und/ oder auf der Flucht sind. Dieses Ereignis lässt Niemanden kalt und überschattet derzeit jeden Augenblick. Ein normaler Fasching war aufgrund dessen nicht wirklich möglich. Das merkte man bei Gesprächen, aber auch bei den Umzügen. Friedenstauben und Peacezeichen konnte ich an den Wagen, aber auch bei den Karnevalisten sehen. Strahlende Kinderaugen, tanzende kleine Feen, Piraten, Prinzessinnen, Hexen und Zauberer erfreuten so manches Erwachsenenherz und ließen jedoch für einen kurzen Moment den Augenblick genießen. Hoffen wir, dass die Menschen in der Ukraine ganz bald auch wieder lächeln können. Ich werde nie verstehen können, warum Kriege überhaupt existieren. Warum sind Menschen zu so etwas fähig? Kriege sind dumm! Ist es nicht viel schöner miteinander Spaß zu haben, sich zu lieben, Kinder lachen und andere Menschen glücklich zu sehen. Lasst uns doch bitte alle einfach nur in Frieden leben. Stoppt diesen Krieg bitte jetzt! Frieden ist etwas so Wunderbares!

Sorbisches Brauchtum erleben – die „Vogelhochzeit“

 

Sorbisches Brauchtum erleben – die „Vogelhochzeit“

Zum kulturellen Reichtum der in der Oberlausitz lebenden slawischen Minderheit der Sorben gehören neben der einzigartigen Sprache eine Reihe von Traditionen und Bräuchen.

Ein beliebter jahrhundertealter Brauch ist die „Vogelhochzeit“, sorbisch: Ptači kwas. Nach dem Brauch laden die Vögel am 25. Januar jeden Jahres die Menschen zum Dank für die Winterfütterung zu ihrem „Hochzeitsfest“ ein.

In der Wittichenauer KRABAT-Grundschule sowie in den 3 Kindergärten der Stadt verkleiden sich die Kinder an diesem Tag als Vögel. Getreu dem Kinderlied „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ ist die Amsel die Braut und der Bräutigam ist eine Drossel. In der überlieferten sorbischen Tradition ist die Braut eine Elster (sorbisch: Sroka) und der Bräutigam ein Rabe (sorbisch: Hawron). Diese Abweichung liegt sicher an der Ähnlichkeit der Vögel. Zur Hochzeitsgesellschaft gehören weiterhin z. B. noch der Sperber als Hochzeitswerber, der Auerhahn als Kaplan, Meise, Kuckuck, Seidenschwanz, Marabu, Storch…. und viele andere Vögel.

Eine Besonderheit in sorbischsprachigen Kindereinrichtungen ist der sorbisch-katholische Brautzug, bei dem die Mädchen symbolisch die traditionelle sorbische Hochzeitskleidung anlegen, die auch Hochzeitsgäste einer „echten“ sorbischen Hochzeit tragen. Kunstvoll handgestickte Schleifen, edle Stoffe, Seidenbänder und perlenverzierter Kopfschmuck schmücken Braut, die Brautjungfern (Druschki), die Paten (Swonka) und alle anderen weiblichen Gäste. Der Bräutigam ist mit einem schwarzen Gehrock mit einem kleinen Myrthensträußchen am Rockaufschlag, einem schwarzen Zylinder und einer weißen Fliege bekleidet.
Eine sorbische Hochzeit wäre ohne Hochzeitsbitter (sorbisch: Braška) nicht denkbar. Er bereitet gemeinsam mit dem jungen Paar und deren Eltern die Festlichkeit vor, lädt die Gäste persönlich ein und leitet den Verlauf der Hochzeit. Erkennbar ist er an seinem schwarzen Zylinder mit bestickter Schleife, einem weißen Tuch in der linken Brusttasche und dem mit Bändern verziertem Stock. Wie bei jeder Hochzeit wird auch hier den ganzen Tag über gefeiert, getanzt und natürlich gut gegessen.

Zum Brauch gehört es auch, am Vorabend des 25. Januar einen Teller auf  das Fensterbrett oder vor die Tür zu stellen, der am Morgen mit Teigvögeln, Vogelnestern, Baiservögeln oder andern extra für den Anlass von den Bäckern der Region hergestellten Köstlichkeiten gefüllt ist. Zur Tradition gehört auch, dass manch kleiner Nimmersatt, der wiederholt den Teller hinausstellt, zuletzt ein Stück Kohle bekommt.

Achtung: Leider muss diese Reise entfallen – Adventsfahrt nach Trier am 04.12.2021

Achtung: Aufgrund der aktuellen Coronalage müssen wir die liebgewonnene Adventsfahrt in diesem Jahr leider aussetzen.

Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen Ihnen trotz  bzw. vor allem eine besinnliche Vorweihnachtszeit und ja, bleiben Sie gesund!

 

Geplantes Programm der abgesagten Adventsreise:

Porta Nigra

Liebe Mitglieder des Partnerschaftskomitees Bad Honnef / Wittichenau,
nach der Corona-bedingten Pause im letzten Jahr findet in diesem Jahr wieder unsere traditionelle Adventsfahrt statt. Wir laden Sie herzlich ein, am 4. Dezember mit uns Trier zu erkunden.
Das Programm hat Inge Niepel gestaltet, die die Fahrt auch begleiten wird.

Ablauf der Adventsfahrt nach Trier:

9.00 h Abfahrt mit dem Bus vom Parkplatz gegenüber dem Stadion (Menzenberger Straße)
ca. 11.30 h Ankunft in Trier
bis 14.30 h Zeit zur freien Gestaltung
14.45 – 16.45 h zwei Stadtführungen zur Auswahl – eine zu Fuß, eine mit dem Bus:

1. Busfahrt: Auch wenn Trier die Stadt der kurzen Wege ist – Vieles muss man im Wortsinn erfahren. Der Aussichtspunkt auf dem Petrisberg mit seinem phänomenalen Blick auf die Olewiger Weinberge, die Mosel mit ihren Moselkränen und der Römerbrücke oder das Amphittheater – alles liegt außerhalb des Stadtkerns und kann deshalb gut per Stadtrundfahrt erkundet werden.

2. Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte: Eine Reise durch die vergangenen Jahrhunderte und durch ein
Wechselbad der Gefühle – zu offenkundigen und überraschenden Orten sowie durch friedvolle, aber auch
leidensgeprägte Zeiten.

17.00 – 19.00 h: Abendessen auf Einladung des Partnerschaftskomitees
danach: Rückfahrt nach Bad Honnef (Ankunft voraussichtlich ca. 22.00 h)

Der Teilnehmerbeitrag (ohne Getränke) beträgt 20 € (für Nicht-Mitglieder 30 €).

Bitte melden Sie sich bis zum 15. November bei Klaus Eckenroth an (klinroth@gmx.de oder Tel. 02224/940909)
und geben Sie dabei an, an welcher Stadtführung Sie teilnehmen möchten.

Bei der Adventsfahrt gelten die 2 G-Regeln. Bitte bringen Sie Ihren Impf- oder Genesungsnachweis mit.

Die verbindliche Anmeldung erfolgt durch Überweisung des Teilnehmerbeitrags auf das Konto des
Partnerschaftskomitees Bad Honnef / Wittichenau:
IBAN: DE46 3705 0299 0000 1729 24

Herzliche Grüße

Einladung zum Nachleseabend Jahresreise 2021 nach Großpolen

Liebe Mitglieder und liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Jahresreise 2021,

bevor die Erinnerungen an die interessante Reise nach „Großpolen“ verblassen, laden wir sehr herzlich zu einer Nachlese am

Freitag, den 05.11.2021 19:30 Uhr

im Alten Rathaus – Alter Ratssaal

Bad Honnef Markt

ein.

 Helmut Scholz, Mitreisender, wird uns seinen Film über die Reise präsentieren.

An dem Abend werden wir Ihnen auch erste Ideen für die Jahresreise 2021 im Zeitraum vom

Sa; 16.04.22- bis Do, 21.04.22 zum Osterreiten nach Wittichenau und Prag vorstellen. Sollte die Planung abgeschlossen sein, ist auch eine Anmeldung am Abend möglich, ansonsten per Mail  an peter.endler@t-online.de ab 05.11.21, 19:00.

Aus personellen Gründen können an diesem Abend nur Konferenzgetränke aus dem Kühlschrank und keine Speisen bereitgestellt werden.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Mit herzlichen Grüßen

Cornelia Nasner                                                          Peter Endler

Vorsitzender                                                                   Leiter Jahresreise

 

Auszug aus dem Generalanzeiger „Siebengebirge“ vom 19.10.21

 

■ BAD HON­NEF. Auf gro­ße Fahrt gin­gen 41 Mit­glie­der des Part­ner­schafts­ko­mi­tees Bad Hon­nef/Wit­ti­chen­au. Ziel der Jah­res­rei­se, die von Chris­tel End­ler und Pe­ter End­ler vor­be­rei­tet und ge­lei­tet wur­de, war das pol­ni­sche Po­sen – ei­ne Stadt, in der es auch ei­ne Men­ge ehe­mals deut­scher his­to­ri­scher Bau­ten zu ent­de­cken gab. Mit der In­sel Ostrów Led­ni­cki be­such­te die Grup­pe auch die „Wie­ge“ Po­lens. Hier fand einst die Tau­fe des Pias­ten­herr­schers Miesz­ko I. statt, der die Grün­dung des Kö­nig­reichs Po­len im Jahr 1025 folg­te. Vol­ler neu­er Ein­drü­cke kehr­ten die Bad Hon­ne­fer nach Hau­se zu­rück. qg

Bericht Jahresreise 2021 nach Großpolen

Jahresreise des Partnerschaftskomitees Bad Honnef – Wittichenau nach Großpolen

 

Nach zweimaliger Verschiebung konnten sich endlich 41 Mitglieder des Partnerschaftskomitees auf die Busreise nach Großpolen, der Wiege des polnischen Staates machen. Unter Leitung von Christel und Peter Endler war Ziel der Reise Poznan/Posen. Bei einem Zwischenstopp  stand das Museum Neues Weimar, wo unter anderem internationale Werke des Realismus, Impressionismus und Jugendstil ausgestellt sind,  auf dem Programm. Nicht erwartet hatte die Gruppe, wie sehenswert Cottbus sich präsentierte, als politisch und kulturelle Zentrum der Sorben in der Niederlausitz.

Der Fürst-Pückler-Park Branitz als Landschaftspark und das Schloss waren nächste Ziele.

Endlich Posen erreicht, begeisterte der Alte Markt mit seinem Renaissance Rathaus. Die Stadt, in der auch als Teil Preußens über 67% polnische Muttersprachler lebten ist voll von polnischen und ehemals deutschen historischen Bauten.

Mit dem Besuch der Insel Ostrów Lednicki erreichte die Gruppe die Wiege Polens, auf der ein  der wichtigsten Burgen der frühen polnischen Piasten stand. Auf ihr fand die Taufe des Piastenherrschers Mieszko I. (* um 945; † 992) statt mit der folgenden Christianisierung Polens und Gründung des Königsreiches Polen in1025.
Schlösser des polnischen Adels mit Landschaftsparks in der Umgebung Posens bestätigt die lange polnische Geschichte.  120 Jahre bis 1920 gehörte der Landstrich zu Preußen. Sie war die einzige Provinz Preußens wo die Mehrheit der Bevölkerung polnisch sprach.

Die lange Rückfahrt ins Rheinland wurde durch eine Kahnfahrt im Spreewald unterbrochen

Mit der Reise wurde wieder bestätigt, wie wichtig es ist, einen Blick auf Geschichte und Kultur unserer östlichen Nachbarn zu werfen. Dieses Aufgabe hat sich das Komitee mit bereits 5 Reisen in das EU Länder Tschechien und Polen verschrieben.

 

Partner aus Ost und West betonen die Freundschaft Komitees aus Bad Honnef und Wittichenau begehen den Tag der Deutschen Einheit

 

Klaus Magat und Stephanie Troscheit

Auszug aus dem Generalanzeiger – Siebengebirge  vom 04.10.21

BAD HONNEF. | Kurze Reden, kurzweilige Musik – und am Schluss setzte sich Bürgermeister Otto Neuhoff an den neuen Flügel im Kunstraum, um die Nationalhymne zu spielen. Eine kleine Delegation aus der Partnerstadt Wittichenau feierte mit den Freunden aus Bad Honnef den Tag der Deutschen Einheit mit einem Konzert.

Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch, sein Vize Georg Szczepanski, der langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsvereins in Wittichenau, Peter Popella, sowie Joachim und Christine Winter, die seit der ersten Stunde Freundschaften zu Bad Honnefern pflegen, hatten viel Spaß an der Musik von Stephanie Troscheit und Klaus Mages unter dem Motto „Motion: Piano meets Drums“. Peter Endler, der das Partnerschaftskomitee Bad Honnef-Wittichenau nach Werner Osterbrink, dem „Vater der Städtepartnerschaft“, führte, hatte die Idee, die Musik in den Mittelpunkt dieser Begegnung zu stellen, berichtete die aktuelle Komitee-Vorsitzende Cornelia Nasner.

Die Pianistin Troscheit intonierte Beethovens „Ode an die Freude“, um danach mit ihrem Mitstreiter eine Improvisation ins Jazzig-Poppige hinzulegen. Dafür gab es viel Beifall, auch für alle anderen virtuos und humorvoll zelebrierten Stücke. Zum Einsatz brachte Klaus Mages dabei auch andere Percussion-Instrumente von der „Singenden Säge“ bis zur Hupe.

Bürgermeister Otto Neuhoff befand: „Es ist schwer zu sagen, welche Musik das ist – die Mischung macht’s. Das gilt auch für die deutsche Einheit. Das ist kein Einheitsbrei, sondern Vielfalt.“ Das Stadtoberhaupt aus Wittichenau betonte dankbar: „Wir haben nicht vergessen, wie uns die Bad Honnefer unterstützt haben. Es herrschte damals eine unglaubliche Aufbruchstimmung.“

Helmut Kohls Satz von den blühenden Landschaften werde gerne belächelt, aber „es sind blühende Landschaften entstanden“, wie sie gerade erst auf der Fahrt hierher wieder gesehen hätten. Das Bundestags-Wahlergebnis in Sachsen sei nicht nachzuvollziehen, so Posch.

Neuhoff bedankte sich bei Peter Popella, der sich von 1993 bis 2021 mit großem Engagement um die Städteehen mit Bad Honnef, Tanvald und Lubomierz gekümmert hatte. Popella: „Ihr habt uns Mut gemacht, die Partnerschaft hat Früchte getragen.“ Cornelia Nasner unterstrich: „Die meisten deutsch-deutschen Partnerschaften bestehen nur noch auf dem Papier. Bei uns ist es anders.“

Sie ging auch auf künftige Themen für das Partnerschaftskomitee ein. „Andere Mauern sind entstanden. Dem müssen wir uns stellen.“ Das Musik-Duo spielte zum Abschluss des Treffens noch ein Abschiedslied – in trauriger und in fröhlicher Version. oro

PM der Stadt Bad Honnef – Besuch aus der Partnerstadt Wittichenau und Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit

BESUCH AUS DER PARTNERSTADT WITTICHENAU UND FEIERSTUNDE ZUM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT

Im Kusntraum Mitglieder Bad Honnefer Partnerschaftskomitee und Wittichenauer Gäste

Im Kunstraum am Rathaus zur Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit – v. l.: Joachim Winter (Wittichenau), Peter Endler, Christine Winter (Wittichenau), Bürgermeister der Stadt Bad Honnef Otto Neuhoff, Cornelia Nasner, Bürgermeister der Stadt Wittichenau Markus Posch, Georg Szczpanski (stellv. Bürgermeister Wittichenau), Peter Popella (Wittichenau) und Werner Osterbrink

Dieses Jahr veranstaltete das Partnerschaftskomitee Wittichenau eine Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit, bei der Musik im Mittelpunkt stand. Vorsitzende Cornelia Nasner hatte in den Kunstraum unter dem Rathaus eingeladen. Eine Delegation aus der Partnerstadt Wittichenau, die in der Oberlausitz in Sachsen liegt, hatte dafür die lange Fahrt nach Bad Honnef auf sich genommen. Bürgermeister Markus Posch, stellvertretender Bürgermeister Georg Szczepanski, Peter Popella, langjähriger Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Wittichenau, und das Ehepaar Christine und Joachim Winter wurden von Bürgermeister Otto Neuhoff herzlich in Bad Honnef begrüßt.

Die Musik „Motion – Piano meets Drums“ von Stephanie Troscheit am neuen weißen Flügel des Kunstraums und Klaus Mages am Schlagzeug bot melodiöse Klangvariationen mit musikalischen Zitaten, darunter auch „An die Freude“ von Beethoven.

Bürgermeister der Stadt Wittichenau Markus Posch übermittelte herzliche Grüße von den Bürgerinnen und Bürgern seiner Heimat. Es sei nicht vergessen, wie in den ersten Jahren nach der Einheit geholfen worden war. Blühende Landschaften seien entstanden. Er sagte: „Wir sind auf einem guten Weg, dass das getrennte Deutschland nur noch in den Geschichtsbüchern steht.“ Bürgermeister von Bad Honnef Otto Neuhoff hob die gesellschaftliche Vielfalt hervor.

Ein großer Dank von Bürgermeister Otto Neuhoff und Cornelia Nasner ging an Peter Popella, der seit 1993 Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Wittichenau war. Er hat die Tätigkeit erst in diesem Jahr an Dr. Nicole Schott, die ihre Ausbildung in Bad Honnef absolviert hat und die Stadt deshalb gut kennt, abgegeben. In Wittichenau ist heute ein Verein für alle drei der dortigen Partnerschaften zuständig. Peter Popella seinerseits dankte dafür, dass man sich gegenseitig Mut gemacht und die Partnerschaft Früchte getragen habe.

Cornelia Nasner, Vorsitzende des Bad Honnefer Partnerschaftskomitee, stellte Fragen zur Situation in Sachsen und die Folgen für die Arbeit des Partnerschaftskomitees: Sie schilderte, dass sich das Komitee unlängst darauf verständigt hatte, dass nach so vielen Jahren nach der Wiedervereinigung nicht mehr der Wiederaufbau, sondern das Thema Europa im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit stehen solle. Wittichenau diene als Brücke nach Osteuropa, weil dort die Partnerschaften zu Lubomierz in Polen und Tanvald in Tschechien gepflegt werden. Trotzdem sei die Wiedervereinigung noch nicht abgeschlossen, was der hohe Stimmenanteil für Rechtsparteien bei den Wahlen in Sachsen zeigt. Die Menschen dort seien deutlich skeptischer gegenüber der Politik. Die neue Bedeutung für die Arbeit im Partnerschaftskomitee könne sein, sich diesen Unterschieden zu stellen.

Zum Schluss der Veranstaltung spielte Bürgermeister Otto Neuhoff die deutsche Nationalhymne auf dem Flügel und das Publikum erhob sich von den Stühlen. Wieder einmal ist es dem Partnerschaftskomitee Wittichenau mit Vorsitzender Cornelia Nasner gelungen, eine würdige Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit auszurichten, was Publikum und Gäste zu schätzen wussten.

(cp)

Mitgliederversammlung des Partnerschaftskomitees Bad Honnef-Wittichenau, 6. September 2021

v.l.  Peter Endler, Sylvia Landeck, Inge Niepel, Cornelia Nasner (Vorsitzende), Werner Osterbrink, Wolfgang Schade, Klaus Eckenroth (es fehlten: Erika Kösterke, Christian Schuster)

Wesentliches Thema der Mitgliederversammlung war die Neuwahl des Vorstandes.

Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt;
Sylvia Landeck ergänzt den Vorstand als Beisitzerin.

Ergebnis der Vorstandswahlen:

Vorsitzende                                       Cornelia Nasner

Stv. Vorsitzende                              Erika Kösterke

Stv. Vorsitzender                            Peter Endler

Schatzmeister und                         Klaus Eckenroth
Geschäftsführer

Schriftführer                                     Werner Osterbrink

Beisitzerin                                          Inge Niepel, Sylvia Landeck
Beisitzer                                              Christian Schuster, Wolfgang Schade

 

 

 

Heute und vor fünfundsiebzig Jahren – Gedanken eines Zeitzeugen Von Klaus Köhn

Seit März sind wir in der Folge der Corona-Krise in eine für uns nicht bisher vorstellbare Welt geschleudert worden. Alles scheint nicht mehr normal zu sein und wurde von den Füßen auf den Kopf gestellt.

Mein Denken versetzt mich 75 Jahre zurück, denn der 8. Mai 1945 war für mich in seinen Folgen auch etwas Unwirkliches und nicht Normales. In meinem Kopf waren noch der Krieg und die Angst gespeichert, eine Angst, die durch die Dresdner Bombennacht mit anschließender Evakuierung und Flucht geprägt war. Fast ein Jahr ohne Schule und ohne ärztliche Hilfe war ich mit meiner Mutter unterwegs und habe überlebt. 1945 war das Leben ebenso wenig normal wie heute. 1945 lagen die Städte in Trümmern und die Straßen waren zerstört. Jetzt sind Städte und Straßen wieder aufgebaut, aber menschenleer. Mir wird bewusst, dass der Krieg mich mein ganzes Leben als Resultat eines nationalsozialistisch menschenverachtenden Geschehens beschäftigt hat.

Angesichts der schrecklichen Corona-Pandemie mit viel8en Opfern und Einschränkungen lässt sich der 2. Weltkrieg nicht ausklammern, der nach einer bedingungslosen Kapitulation für das befreite Deutschland in seinen Folgen keine berechenbare Zukunft voraussah. Nach dem von Henry Morgenthau entwickelten, Ende 1944 fallen gelassenen Plan, sollte ein besiegtes Nachkriegsdeutschland allenfalls nur radikal zerstückelt und territorial reduziert als bedeutungsloser Agrarstaat weiter bestehen dürfen. Doch dürfte dieser Plan auch dazu beigetragen haben, dass Hitler den Krieg fanatisch in seinem narzisstischen Elend krankhaft selbstzerstörerisch um jeden Preis in steigernder Grausamkeit fortsetzen ließ, um mit seinem

Tod noch viele mitzunehmen und um Deutschland in einen kollektiven Suizid zu führen. Dieser Weltkrieg löschte 55 Millionen Menschenleben aus. Die meisten Menschen verlor Russland mit 20,6 Millionen, davon 7 Millionen Zivilisten. Deutschland lag buchstäblich in Schutt und Asche. In Deutschland fanden ca. 5,3 Millionen Menschen, davon 4,8 Millionen Soldaten den Tod. In Polen wurden allein 4,2 Millionen Zivilisten getötet. Millionen fanden den Tod in den Konzentrationslagern. Die Opfer, Juden, Sinti, Romas, Polen, Russen und Afro-Amerikaner wurden als „Untermenschen“ etikettiert. Ich begriff auf der Flucht im Alter von neun Jahren am 8. Mai 1945 in Altenberg auf dem Weg nach Ober-Zinnwald (ČSSR) noch nicht, in welcher Welt ich gelebt hatte. Ich hatte nur überlebt. Die Generation, die nur wenige Jahre älter als ich warCorona , gehörte schon zur „Generation ohne Abschied“, nach Wolfgang Borchert diejenigen, die „unterwegs“ waren. Auch meine Mutter und ich waren unterwegs. Über diese Generation schrieb Wolfgang Borchert, in diesen Tagen auch „unterwegs“: „Wir sind eine Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist Abgrund“. Heinrich Böll schrieb: „Borcherts Schrei galt den Toten, sein Zorn den Überlebenden, die sich mit der Patina geschichtlicher Wohlgefälligkeit umkleideten.

Millionen waren unterwegs. Es kamen die ersten Züge mit den Vertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland, viele zu Fuß. So drängten sich die Menschen dicht an dicht – ohne Abstand – und kletterten auf offene Eisenbahnwagons. Die Wartesäle wurden unsere Schlafsäle. Immer wieder warteten wir auf den nächsten Zug.

Wolfgang Borchert schrieb: „Denn wir wollen nach Hause. Wir wissen nicht, wo das ist: Zu Hause. Eisenbahnen, nachmittags und nachtsSie sind wie wir. Keiner garantiert ihren Tod in ihrer Heimat. Sie sind ohne Ruh und Rast der Nacht. … Sie sind wie wir. Sie halten alle viel mehr aus, als alle geglaubt haben. … Und wenn es aus ist, was ist ihr Leben? Unterwegssein. … Eisenbahnen, nachmittags und nachts. Diese Sätze habe ich erst 15 Jahre später gelesen, und ich wusste sofort: das war unser Unterwegssein, diese „Eisenbahnen, nachmittags und nachts“, waren unsere Eisenbahnen.

Wir hatten Hunger und lernten „Fringsen“, genannt nach dem Kölner Kardinal Frings, der Menschen rechtfertigte, die aus Hunger gestohlen hatten, um leben zu können.

Heinrich Böll schrieb (aus „Das Brot der frühen Jahre„): „Der Hunger lehrte mich die Preise; der Gedanke an frisch gebackenes Brot machte mich ganz dumm im Kopf, und ich streifte oft abends stundenlang durch die Stadt und dachte nichts anderes als: Brot … Ich war brotsüchtig, wie man morphiumsüchtig ist …“.

So lebten wir vor 75 Jahren. Und wie leben wir heute? Zu Hause im Corona Shutdown sind wir satt, werfen Brot weg und hamstern Klopapier und sind nicht unterwegs – oder doch?  Wir leben wochenlang mit Einschränkungen und der Angst vor Ansteckung einer tödlichen Krankheit, die die Schwächsten unserer Gesellschaft besonders hart trifft. Denken wir an die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln, an die Kinder, die unterwegs sind wie ich vor 75 Jahren und deren Not wir angesichts eigener Nöte verdrängen. Heute wie vor 75 Jahren brauchen wir das Ja zum Leben und den Appell zu mehr Solidarität und nicht nur Ängste um Demokratie und Freiheit. Freiheit ist nach Friedrich Hegel die Einsicht in die Vernunft, und die ist mehr denn je gefragt. Ich stimme in den Aufschrei von Wolfgang Borchert ein:

„Ich möchte Leuchtturm sein

in Nacht und Wind –

für Dorsch und Stint –

für jedes Boot –

und bin doch selbst

ein Schiff in Not!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Partnerschaftskomitee Bad Honnef – Wittichenau würdigte die Deutsche Einheit von Klaus Köhn

Es war schon eine Feierstunde der besonderen Art, zu der die Partnerschaftskomitee-Vorsitzende Cornelia Nasner in Bad Honnef zum deutschen Nationalfeiertag eingeladen hat. Vor 30 Jahren haben historische Ereignisse, zu denen die Grenzöffnung in Ungarn, die Abreise der DDR-Flüchtlinge aus der deutschen Botschaft in Prag und die sich wöchentlich steigernde friedliche Revolution, in der Hunderttausende DDR-Bürgerinnen und Bürger auf den Straßen mutig demonstrierten, gehörten, Mauerfall und Grenzöffnung vorbereitet. Sätze wie „Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk!!!“ sollten ein geschichtsträchtiges, nicht zu erwartendes Ereignis einleiten: Die Wiederherstellung der Deuten Einheit.

Cornelia Nasner begrüßte im Bad Honnefer Kunstraum, wie schon aus anderen Anlässen gewohnt, Bürgermeister Otto Neuhoff, eine Delegation aus Wittichenau mit dem Vorsitzenden des Wittichenauer Partnerschaftsvereins Peter Popella, seiner Frau Maria und Pfarrer Michael Bresan. Mit letzterem hat der ehemalige Bad Honnefer Bürgermeister Werner Osterbrink und Initiator der Partnerschaft zwischen unseren Städten am 9. November 1989 die aufregenden Ereignisse als Zeitzeuge in Nebelschütz verfolgt.

Mit nachdenklichen Sätzen an ihre aufmerksamen Zuhörer richtete Cornelia Nasner die Gedanken mit den Fragen in die Zukunft: „Was wird in zehn oder zwanzig Jahren sein? Wird dann noch jemand im Kunstraum sitzen, um den Tag der Deutschen Einheit zu feiern?“ Mauer und Stacheldraht, den Todesstreifen an der deutsch-deutschen Grenze kennt schon heute die junge Generation nur noch aus  den Geschichtsbüchern.

Cornelia Nasner: „Für meine Großeltern war die deutsche Einheit noch eine Selbstverständlichkeit, für mich war es bis 1989 das geteilte Deutschland – und für die junge Generation ist es selbstverständlich, auf der Autobahn Herleshausen zu passieren, ohne die Geschwindigkeit zu drosseln. So ist es mit den Selbstverständlichkeiten …“

Umso wichtiger sei es, die Erinnerung an die Ursachen der deutschen Teilung, an die Zeit der DDR, an das Jahr 1989 und daran, was Krieg und Unfreiheit bedeuten, wach zu halten. Sie machte deutlich „was man erreichen kann, wenn man den Mut hat, gemeinsam friedlich auf die Straße zu gehen und für seine Überzeugung einzustehen“.

Die eindrucksvolle Feierstunde wurde von einer künstlerischen Auseinandersetzung junger Menschen mit dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, „eingerahmt“. Die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf zeigt derzeit im Kunstraum in Kooperation mit dem Kunstkolleg und der Kunstakademie Hennef (RSAK) die Ausstellung „Konrad Adenauer im Portrait“. Sie war Grund und Anlass für die Festrede von Hanns Jürgen Küsters, Professor für politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Bonn, mit seiner Frage: „Was hat Konrad Adenauer zur Deutschen Einheit beigetragen?“. Zu dieser Frage trug Ron Meier, Dozent an der RSAK mit der Aussage bei: „Adenauer hat die junge Bundesrepublik sehr geprägt. Ein neuer Blick auf ihn lohnt sich immer.

Diesen Blick jetzt auszuweiten, auch um auf die Ausstellung über Konrad Adenauer näher einzugehen, würde den Bericht über die Feierstunde auf ein anderes, für die gegenwärtige Deutsche Einheit relevantes Thema lenken, über dass ich zum dreißigsten Jahrestag des 9. November schreiben werde.

 

Bildershow der Jahresreises 2018 „Schlösserland Sachsen“

Viele Mitreisende und Mitglieder des Partnerschaftskomitees Bad Honnef – Wittichenau waren der Einladung zum Nachleseabend der diesjährigen Jahresreise in das Schlösserland Sachsen im „Alten Rathaus“ gefolgt. Helmut Scholz hatte aus mehr als 5000 Fotos eine perfekte Bildpräsentation professionell zusammengestellt und mit Musik untermalt. Erinnerungen an Dresden, Meißen mit der Porzellanmanufaktur, dem Elbsandsteingebirge und die sächsischen Schlösser wie Pillnitz, Weesenstein wurden wieder wach. Der Besuch in der Partnerstadt Wittichenau und der erlebten Gastfreundschaft begeisterte noch im Nachhinein die Mitreisenden. Cornelia Nasner, Vorsitzende des Komitees bedankte sich mit einer großen Flasche Kellerbier aus der Wittichenauer Stadtbrauerei unter Beifall der Zuschauer bei Helmut Scholz für die großartige Präsentation.

Peter Endler, Leiter der Jahresreisen des Komitees, stellte anschließend, die mit Spannung erwartete Jahresreise 2019 vor. Die Fahrt ist vom 01.09. bis 07.09.2019 nach Südböhmen geplant.

Anmerkung der Redaktion des Wittichenauer Wochenblattes zum Artikel von Klaus Köhn

Der Herausgeber des Wittichenauer Wochenblattes, Christian Schenker,  hat im Wittichenauer Wochenblatt vom 11. November 2016 folgende „Anmerkung der Redaktion“ zum Artikel von Klaus Köhn veröffentlicht.

Selbstverständlich steht mein Wochenblatt jederzeit für Diskussionen zur Verfügung. Ich habe allerdings bereits mehrfach da rauf hingewiesen, dass ich für wenig Geld eine Lokalzeitung für ein Städtchen von nicht mal 6000 Einwohnern mache und selbst nicht den Ehrgeiz habe, die Probleme der Welt zu lösen, die oft durch unfähige Politiker; Opportunisten oder profitgierige Konzerne mit ihren Lobbyisten entstanden sind.

Umso mehr, da ich praktisch ein Alleinunterhalter bin, der nun mittlerweile mit 66, erst recht nicht die Absicht hat zwischen die Fronten zu geraten, auch wenn das manchem gefallen würde. Das wäre dann auch für mich ein Grund, endgültig in Rente zu gehen. Nach 27 Jahren Wochenblatt und stabiler Auflage denke ich, dass ich nicht allzu viel falsch gemacht habe, auch wenn sich nicht alles so entwickelt hat, wie man es sich manchmal erträumte.

Aber nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung, nicht mal zu Weihnachten. Was die lokale Ebene betrifft, bin ich natürlich bestrebt, so die oft spärlichen Informationen bis zu mir vordringen, auch darüber zu berichten. Allerdings gibt es selten hierzu offizielle Stellungnahmen zu von Klaus Köhn angesprochenen Ereignissen, die wie sie bereits andeuten Wittichenau bisher weniger tangieren. Ich kann mich aber daran erinnern, dass in den 90iger Jahren extremere Ansichten und Auftritte auch in Wittichenau vorkamen. Damals war allerdings auch das ganze Jahr über in den Nächten mehr Bewegung in Wittichenau, heutzutage bevorzugt man ruhigen Schlaf oder gemütlichen Fernsehabend abgesehen von Karneval, fährt man meist nach außerhalb wenn man Action braucht. Über jüngste Ausschreitungen wie in Bautzen gibt es regelmäßig umfang­ reichere Informationen von Polizei oder Landratsamt, die ich aber nicht unbedingt im Wochenblatt platzieren muss, wenn die Tageszeitungen zuvor darüber berichtet haben. Es sei denn, sie beziehen sich direkt auf die lokale Ebene des Wittichenauer Wochenblattes, die wie sie selbst andeuten, zum Glück bisher wenig berührt ist. Solche Blauäugigkeit allerdings, wie sie beispielsweise ein ehemaliger sächsischer Ministerpräsident an den Tag legte, der behauptete, in Sachsen gäbe es keinen Rechtsextremismus, habe ich in meiner Zeitung in 27 Jahren noch nicht verbreitet.

Was Leserdiskussionen in Tageszeitungen betrifft, kann man sich oft über Sinn und Unsinn streiten. Pegida selbst, egal wie man dazu steht, ist meiner Meinung in erster Linie ein Dresdener Problem (auch wenn es sicher auch in Wittichenau Anhänger gibt), wenn die dortige Stadtverwaltung über Jahre, Woche für Woche einen herausragenden Protestraum dieser Bewegung einräumt, der mitten im touristischen Altstadtkern liegt und man lange Zeit keinerlei Dialog suchte. Nun ist längst mancher Extremist auf den fahrenden Zug, auf das Event, aufgesprungen und kocht sein Süppchen.

Unabhängig von den dort geäußerten Ansichten sollte man nicht übersehen, dass im Osten viele Biografien gebrochen sind, die Leute teilweise unerhörte Umwälzungen erlebt haben, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt. Den meisten allerdings geht es momentan so gut wie noch nie. Aber gerade weil viele so viel mitgemacht haben, gibt es auch Ängste, den erworbenen Wohlstand wieder zu verlieren, die digitalen Medien tragen oft mit Falschinformationen ihres dazu bei. Mittlerweile ist ja bekannt, dass beispielsweise über Facebook Roboterprogramme Gerüchte tausendfach vervielfachen. Die Rechtsorgane und Politik sind überfordert. Dumpfer Ausländerhass ist generell abzulehnen, Bedürftigen muss geholfen werden, aber es kann dabei nicht die eigene Demokratie durch unkontrollierte Einwanderung gefährdet werden. Tendenzen die durch zeitweilige Einsparungen bei der Polizei speziell in Sachsen noch gefördert wurden. Es lief in Vergangenheit und auch Gegenwart einiges falsch in Deutschland, wie kriminelles und extremistisches Potential in mancher Großstadt in Mitteleuropa bezeugt und geduldet wurde, auch danach haben viele kein Bedürfnis. Kürzlich las man eine Meldung, dass über 3 Millionen Selbständige im Alter von Existenzproblemen betroffen sind. Gerade im Osten hatten sich viele notgedrungen selbständig gemacht, weil sie arbeitslos wurden. Sie werden und wurden oft steuerlich ohne Gnade gemolken, da bleibt nichts für die Alterssicherung, dazu kommen oft Probleme mit der Privaten Krankenversicherung, während die Großkopfeten geschont werden, weil sie die Lücken im Gesetz ausnutzen können. Die Bundesrepublik ist wahrlich kein Schlaraffenland für (kleine) Selbständige. Dazu kommt das die Handelsmonopole vielen (naiven) Existenzgründern, die sich oft noch verschuldet haben, gnadenlos das Genick brachen und brechen. Ich kenne manchen, der jeden Tag schindert, aber auf keinen grünen Zweig kommt, die Basis dafür ist einfach nicht vorhanden.

Die Politik ist auch hier überfordert, hat kaum Antworten auf die Probleme der Zeit. Hartz 4 ist oft Rettung, aber auch die Letzte Lösung. Ist es dann soweit, hat aber mancher viel Freizeit und aus den Reihen der Betroffenen rekrutiert sich sicher auch Pegida.

Die Welt scheint in Umbruch, Staaten schotten sich ab, Opportunisten haben Zulauf, wie das Wahlergebnis in den USA oder der Brexit in England verdeutlichen. Am Ende könnte es nur Verlierer geben, wenn jeder seinen Mist alleine macht. Dabei werden die Probleme noch zu nehmen, solange die reichen Staaten nicht gewillt sind, die Probleme der 3. Welt ernst zu nehmen.

Immer noch regiert vorrangig der Profit, und da hatten Marx und Engels leider doch teilweise recht, auch wenn die meisten ihrer Nachfolgemodelle gescheitert sind und damit auch manche Illusionen.

Gescheiter ist die Menschheit trotz Computerrevolution leider nicht geworden, im Gegenteil, die allgemeine Verblödung hat Konjunktur.
Christian Schenker.

 

Wittichenau – Eine Insel der Glückseligen?

Ein Diskussionsbeitrag  von Klaus Köhn – Bad Honnef, veröffentlicht im „Wittichenauer Wochenblatt“ vom 11. November 2016

Es ist immer ein Verweilen auf der Insel der Glückseligen, wenn ich das Wittichenauer Wochenblatt aufschlage. Da gibt es keine Probleme mit Flüchtlingen, keine Demos, keine nennenswerte Kriminalität, keine Wohnungsnot u. v. m. Die Aufzählung lässt sich noch weiter fortsetzen. So hätte mich fast Glückseligkeit erfassen können, wenn es nicht andere Botschaften gäbe.

Als ich am 3. Oktober mittags die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit und abends im MDR „So schön ist Dresden“ gesehen habe, konnte ich deutlich die zwei Gesichter, die Dresden an diesem Tag gezeigt hat, wahrnehmen: Erneut pöbelnde, sich in Hetztiraden hinein steigernde Bürgerinnen und Bürger, die die Repräsentanten unserer Demokratie, die doch im Osten 40 Jahre vermisst wurde, ergehen. Da hieß es: es sind doch nur ein paar Hundert und (?)… um es mit Brecht zu sagen, die im Dunkeln sieht man nicht, nämlich Tausende in den Nebenstraßen von gleicher Gesinnung und die hinter den Vorhängen. Und die Polizei ließ die pöbelnde Menge gewähren. Ein Polizist wünschte über Lautsprecher der Pegida einen erfolgreichen Tag. Dresdners Oberbürgermeister und Sachsens Innenminister rechtfertigten sogar das passive Verhalten der Polizei, denn es wurde ja nur das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. So schön sind Dresden, Bautzen und andere Orte, wo dem pöbelnden Volk applaudiert wurde. Der Bonner Generalanzeiger titelte: Wie viel Pegida steckt in Sachsens Polizei?

Der Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte in seiner Festrede: „Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien, haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde … Wer das Abendland gegen tatsächliche und vermeintliche Bedrohungen verteidigen will, muss seinerseits den Mindestansprüchen der westlichen Zivilisation genügen: Respekt und Toleranz üben und die Freiheit der Meinung, der Rede, der Religion wahren und den Rechtsstaat achten.“ Daran scheint es in Ostdeutschland mehr zu mangeln als im Westen.

Ausländerhass ist kein neues Phänomen, auch im Westen. Dafür ist die Flüchtlingswelle nicht allein ursächlich. Der Bonner Generalanzeiger schrieb am 26. Februar 2016: Schon nach dem Mauerfall sagten 42 % der jungen Ostdeutschen: „Mich stören nur die vielen Ausländer bei uns. Dabei sind bis heute nur 2 % der sächsischen Bevölkerung Migranten.“ Aktuell – jetzt einige Monate später – mögen es etwas mehr sein. Und Wittichenau ist (noch) nicht betroffen.

Zu DDR-Zeiten war Wittichenau eine Nischenkultur. Inwieweit hat sich diese Lausitzer Stadt heute geöffnet? Wo sind die Wittichenauer? In der Kirche, auf ihren Heimatfesten, beim Frühschoppen, auf dem Sportplatz, beim Angeln oder im Karneval? Ich erinnere mich an Aussagen, dass selbst Neubürger aus Hoyerswerda nicht allen willkommen waren. Und wenn ich das Wittichenauer Wochenblatt lese, dann scheint Wittichenau weitgehend eine „geschlossene Gesellschaft“ geblieben zu sein, pardon: Eine Insel der Glückseligen – mit Ausnahme auf einen kleinen Bericht der von mir sehr geschätzten Frau Beate Hufnagel, als sie über den Vorfall am Erntefest in der Krabat-Mühle schrieb: es war für sie bestürzend und beschämend, als ein junger Mann von einer im Bad Honnefer Chor aus Aegidienberg mitgereisten Syrerin verlangte, ihr Kopftuch abzunehmen. Danke Frau Hufnagel! Das könnte ein Anfang sein, sich über Vorgänge, die nur wenige Kilometer weiter in Dresden oder noch näher in Bautzen stattfanden, auch im Wochenblatt kritisch auseinander zu setzen. Ich habe Ostdeutschland in den ersten Jahren bewundert, mit welcher Freude und Engagement der Tag der „Deutschen Einheit“ gefeiert und auch darüber im Wittichenauer Wochenblatt berichtet wurde. Ist diese Freude nach 26 Jahren erloschen?

Ich hoffe, dass sich nicht allzu viele nun mehr und mehr vom Osten abwenden, wie z. B. mein Enkel, der begeistert nach seinem Studium in Köln als Lehrer nach Dresden gegangen ist, und im Sommer Dresden wieder entsetzt verlassen hat und jetzt in Köln unterrichtet. Quo vadis Sachsen?

Ich weiß, dass ich mit meinem Artikel einige Leser provoziere, vielleicht sogar Freunde. Ich weiß nicht, ob ihn Christian Schenker, für den ich seit ca. 20 Jahren hin und wieder schreibe, veröffentlichen wird. Wenn es geschieht, dann werde ich zu meinen Aussagen stehen und mich einer Diskussion stellen.